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Bewertung (von 1-10) | |
| Glaubwürdigkeit | 9 | |
| Inszenierung | 10 | |
| Authenzität | 9 | |
| Schauspieler | 10 | |
| Action | 9 | |
| Drehbuch / Story | 9 | |
| Musik / Sound | 10 | |
| Gesamturteil: | 9,5 |
| Herr der Ringe 1 - die Gefährten | |
| Land | Neuseeland |
| Jahr | 2001 |
| Originaltitel | Lord of the Rings - Fellowship of the Ring |
| Länge | 178 Minuten (Kino-Fassung), 210 Minuten (Extended DVD-Version) |
| Regie | Peter Jackson |
| Schauspieler | Elijah Wood (Frodo), Sir Ian McKellen (Gandalf), Christopher Lee (Saruman), Viggo Mortensen (Aragorn), Ian Holm (Bilbo), Sean Astin (Sam), Billy Boyd (Pippin), Dominic Monaghan (Merry), Cate Blanchett (Galadriel) u.v.m. |
| Musik | Howard Shore |
| Originalsprache | englisch |
| Farbe/sw | Farbe |
| FSK-Freigabe | ab 12 (Kino-Fassung), ab 16 (extended DVD-Fassung) |
| Inhalt | |
| Genre / Ära | Herr der Ringe, 1. Teil |
| Schauplatz | Mittelerde |
| Inhaltsangabe |
Der Herr der Ringe, Teil 1" umfaßt die Handlung des ersten Teiles aus JRR Tolkiens "Der Herr der Ringe"-Trilogie - mit einigen Kürzungen und kleinen Modifikationen, um die komplexe Handlung in einen halbwegs annehmbaren Filmrahmen zu packen, ansonsten hätte jeder der drei Filme vermutlich 9 Stunden gedauert...auch ich bitte um Verständnis, daß ich die Handlung etwas raffe ;-) Wer tatsächlich überhaupt noch nicht weiß, worum es geht, sollte diesen Absatz dennoch überspringen, da ich möglicherweise etwas zu viel verrate... Erzählt wird die Geschichte des jungen Hobbits Frodo Beutlin/Baggins, der durch Bilbo Beutlin an dessen 111tem Geburtstag in den Besitz eines verfluchten Ringes gerät. Bilbo hatte auf seinen Wanderungen durch die Weiten Mittelerdes einst diesen Ring einer unglückseligen Kreatur abgenommen und stand fortan selber unter dem Einfluß dieses Ringes. Erzählt wird weiterhin die Geschichte über die Entstehung der unterschiedlichen Ringe auf Mittelerde, die sich zum Teil im Besitz der Elben, im Besitz der Zwerge und im Besitz der Menschen befanden und befinden. Der eine Ring jedoch, auf den Bilbo während seiner Abenteuer stieß, wurde von dem bösen Herrscher Sauron geschmiedet und erfüllte einzig den Zweck, alle anderen Wesen zu knechten. Nach Saurons gewaltsamem Tod wanderte der Ring in den Besitz eines Königs, dessen Geist er jedoch vergiftete und allen neuen Besitzern nichts als Unheil und Verderben brachte. Es heißt, daß dieser Ring ausschließlich von Sauron selbst benutzt werden kann und nach dessen Tod seine Seele aufnahm. Zudem zieht es den Ring, der einen eigenen, finsteren Willen besitzt, zurück in das finstere Mordor. Sauron, der nach einer verkörperten Wiederkehr strebt, setzt alles daran, diesen Ring in seine Gewalt zu bringen und zu diesem Zweck schwärmen seine Armeen in Form von schwarzen Reitern, den Ringgeistern, und Horden von neugezüchteten Orcs und Monstern aus. Nachdem Bilbo Frodo mit dieser "freundlichen" Gabe zurückließ und auszog, um irgendwo in der Ferne sein Buch zu vollenden, erfährt Frodo vom Zauberer Gandalf die Wahrheit über den Ring. Auch wird sehr bald deutlich, daß die finsteren Mächte bestrebt sind, sich ihr Eigentum zurückzuholen. Da der Ring zudem einen negativen Einfluß auf seinen Besitzer ausübt und zudem - bei Gebrauch - die finsteren Mächte und Ringgeister ruft und herbeilockt, beschließen Gandalf und Frodo, daß sie den Ring aus dem Hobbit-Land fortbringen müssen. Zusammen mit dem Hobbit Sam verläßt Frodo seine Heimat und macht sich auf den Weg in ein benachbartes Land, wo er auf Gandalf treffen soll, der in der Zwischenzeit Rat bei dem Obersten seines Ordens, dem Magier Saruman holen will. Es stellt sich heraus, daß Saruman von Saurons Macht übernommen wurde und nun für die finstere Seite arbeitet. Als Gandalf sich weigert, mit ihm zusammenzuarbeiten, wird er von Saruman gefangengenommen und mißhandelt, während Frodo und seine Begleiter (auf dem Weg trafen sie auf zwei weitere Hobbits, die sich ihnen anschlossen) von den schwarzen Ringgeistern gejagt werden. In einem Dorf treffen sie auf den Menschen Streicher/Strider, der ihnen das Leben rettet und sie von den Reitern fortbringt. Als Frodo bei einem erneuten Zusammentreffen mit den unheimlichen Reitern von einer Klinge des Bösen schwer verwundet wird, kann nur noch Elbenmagie ihn heilen und die Reisegruppe macht sich auf den Weg ins Elbenreich. Da das Böse in Mordor erwacht ist und dieses alle Bewohner Mittelerdes betrifft, ruft Elrond, ein hoher Führer der Elben, eine Versammlung ein, in der beschlossen werden soll, was mit dem Ring geschehen soll. Da der Ring jedoch negative Energien verströmt, geraten sich die anwesenden Menschen, Zwerge und Elben schnell in die Haare. Schließlich fällt der Beschluß, daß der Ring vernichtet werden muß und dieses geht nur an einem einzigen Ort: In den Höhlen des Feuerberges, dort, wo er auch geschmiedet wurde. Frodo meldet sich freiwillig für diesen weiten und beschwerlichen Weg, da bald deutlich wird, daß die Menschen, Elben und Zwerge zu schwach sind und vom Ring zu leicht verführt werden. Doch er bekommt Gefährten für diese Reise: neben seinen drei Hobbit-Freunden begleiten ihn auch der Waldläufer Streicher, ein weiterer Mensch namens Boromir, der Elf Legolas, der Zwerg Gimli und der Zauberer Gandalf - 9 Gefährten sollt ihr sein... Während die finstere Armee sich sammelt, um den Ring zu jagen, machen sich die Gefährten auf den Weg durch die Weiten Mittelerdes, durch Wälder, Berge und andere Orte, wobei sie zahlreiche Abenteuer erleben, Kämpfe bestreiten müssen und immer wieder durch den Ring versucht werden... Der Film endet - wie auch der erste Teil des Buches - mit dem Auseinanderbrechen der Reisegruppe und dem Tod oder Verschwinden einiger Mitglieder... |
| Kritik (Autor: XY) | |
| Inszenierung |
Ich muß zugeben, daß ich von den schieren Ausmaßen dieses Filmes von der ersten Minute an beeindruckt war - und normalerweise bin ich schwer zu beeindrucken ;-) Die gesamte Inszenierung - von den Schauspielern über die unglaublichen Trickaufnahmen bis hin zu den Kamerafahrten - gehört für mich mit zu dem eindrucksvollsten überhaupt. Das Tempo in HdR ist so hoch, die Abwechslung und Schnittfolge so rasant und die Szenarien so am Rande des Größenwahns, daß HdR zu den "kürzesten" dreistündigen Filmen gehört, die ich je gesehen habe. Als der Film zu Ende war, stand ich nicht gequält aus meinem Kinosessel auf und reckte mich mit den Worten "Eeeendlich zuende, das hat ja ewig gedauert", sondern war ganz erstaunt, wie schnell drei Stunden herumsein können. Problemlos hätte ich mir im Anschluß die anderen beiden Teile ebenfalls anschauen können, und die Vorstellung, ein Jahr auf die Fortsetzung warten zu müssen, hatte in diesem Moment etwas Grausames. Zwar ist HdR ein Film, der ohne den Computer nicht hätte gedreht werden können und der noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen wäre. Das ist jedoch überhaupt nicht negativ gemeint, denn gerade in diesem Film wird gezeigt, wie man modernste Technik in Perfektion einsetzt und daß Computeranimationen keineswegs steril sein müssen oder keine Atmosphäre haben - ganz im Gegenteil. Die Massenschlachtszenen und insbesondere die gigantischen Kulissen ließen mich bisweilen mit offenem Mund im Kinosessel erstarren, und meinen Begleitern ging es da nicht anders. Die Armeen zu Beginn des Filmes, dann das bedrohliche Reich Mordor mit seinen größenwahnsinnigen Bauten, die Türme, die riesigen Minen unterhalb der Berge, die gigantischen Statuen oder die Stadt der Elben - die Kulissen gefielen mir ausnahmslos ausgezeichnet und waren teilweise atmosphärisch erschreckend dicht. Besonders beeindruckt haben mich die Zwergenhöhlen im Inneren des Gebirges und die Flucht der Gefährten vor dem brennenden Minotaurus - beim Schwanken der einstürzenden Escher-gleichen Treppen wurde mir sogar im Kinosessel schwindlig. Auch die nicht-computeranimierten Szenerien gefielen mir durchweg gut und zu meiner großen Überraschung mußte ich feststellen, daß insbesondere die Wohnhäuser der Hobbits im Auenland exakt so aussahen, wie ich sie mir beim Lesen des Buches vorgestellt hatte. Natürlich kommt dem Film auch zugute, daß es keine sterile und mainstreamige Hollywood-Produktion ist, sondern daß HdR von einem außergewöhnlichen (und etwas freakigen) neuseeländischen Regisseur gedreht wurde. Denn so ist die Welt von Mittelerde gleichzeitig eine Augenweide für jeden Neuseeland-Fan und bietet eine Rundreise durch alle Klimazonen und Bereiche dieses Insellandes - von den gemäßigten Wäldern bis hin zu den Vulkanen oder Schneebergen ist die Landschaft durchweg atemberaubend - und das sogar in Szenen ohne tricktechnische "Bearbeitung". Natürlich ist in den Szenen, wo authentische Landschaften wie z.B. das Kalkgebirge oder Vulkanregionen durch Computeranimationen zusätzlich manipuliert wurden und so z.B. Mordor entstand, die Atmosphäre teilweise wirklich erschreckend. Dabei sind die Computertechniken durchweg erstklassig und durchweg völlig überzeugend, so daß niemals der Eindruck entsteht, "was für eine billige Trickaufnahme", wie man ihn bei manch anderen modernen Filmen teilweise hat. Die Höchstnote gibt es von mir für die Tricktechnik und die Kulissen - ich war, wie man meinen überschwenglichen Worten vielleicht anmerkt - zutiefst beeindruckt und bin es immer noch. Horror Daß Peter Jackson zahlreiche Splatter-Filme gedreht hat, kann er auch beim "Herrn der Ringe" nicht so ganz leugnen. Das Design der Gegner, der Monster, der Orcs und anderen finsteren Gestalten war wirklich teilweise so ekelhaft und drastisch, daß ich die Altersfreigabe des Films ab 12 nicht wirklich verstehen kann. Neben Schockeffekten und der teilweise beklemmend dichten Atmosphäre fand ich, daß die geschaffenen Kreaturen sich durchaus mit jedem Splatter- und Horror-Streifen messen können und diese teilweise noch übertreffen. Wer "Hellraiser" eklig fand, wird seinen Blick bei den Orcs aus "Herr der Ringe" sicherlich nicht weniger angewidert abwenden. Saruman erschafft, um den Ring zu erbeuten, in den finsteren Abgründen von Mordor abartige, menschenfressende Kreaturen, die er auf die Jagd schickt. Diese Kreaturen sind teilweise wirklich so monströs, daß es mein Horror-Herz höher schlagen läßt - verwest aussehende Kreaturen, mit Metallringen gepierct, und von einer Ekligkeit, daß es eine wahre Freude ist. Diesen Gestalten sieht man es förmlich an, wie sehr sie stinken müssen, und das ganz ohne Erfindung des Geruchskinos. Besonders die diversen Augen-Effekte sind wirklich so widerlich, daß es eine Freude ist und insbesondere die Elite-Krieger Sarumans sind der Ausbund einer perversen Phantasie, daß ich mir vorstellen kann, daß ihr Anblick manchem Kinozuschauer möglicherweise zuviel ist. Auch strotzt der Film vor Gewalt, Grausamkeit und Schlachtszenen, teilweise in Massenszenen mit gigantischem Ausmaß. Neben dem direkten Schrecken in Form von den widerlichsten Kreaturen aller Art und den Kämpfen gegen diese, gibt es jedoch auch subtilen, indirekten Horror, der ebenfalls zur Steigerung der dichten und finsteren Atmosphäre beiträgt. So gibt es zum Beispiel eine Szene in den Zwergen-Höhlen, wo die Gefährten auf die dahingemetzelten Überreste der Zwerge treffen. In einer Aufzeichnung finden sie Hinweise auf eine entsetzliche Bedrohung, die sich durch düstere Trommeln aus der Tiefe ankündigt. Als einer der Hobbits aus Versehen dafür sorgt, daß ein herumliegendes Skelett in einen tiefen Schacht stürzt und daraufhin unglaublich finstere Trommeln aus der Tiefe dieses Schachtes einsetzen, die mich an die Morlocks in HG Wells Zeitmaschine erinnerten, kommt schon ein gewisses Grauen auf. Besonders bedrohlich sind natürlich die Schwarzen Reiter - die Ringgeister. Neun gesichtslose Kreaturen, in schwarze Umhänge und schwarze Rüstungen gehüllt, reiten auf riesigen schwarzen, ebenfalls gepanzerten Pferden durch das Land, um den Ring zu suchen. Zudem werden sie vom Ring angelockt. Es stellt sich heraus, daß sie einst Menschen waren, die dem Fluch der Ringe verfielen und nun Sklaven Mordors sind. Ihr Auftauchen ist teilweise so schockhaft und so genial inszeniert - insbesondere die Choralgesänge, die ihre Ritte untermalen -, daß sie ebenfalls zu den Highlights des Films gehören. Besonderers enervierend waren die hochtonigen Schreie oder das Gekreische an der Schmerzgrenze, das einem in einem Dolby-Surround-Kino schon mal in den Sitz drückte. Sehr gut hat mir in diesem Zusammenhang der Special-Effect des Ringes gefallen - wenn Frodo den Ring überstreift, wird er für die "normale Welt" unsichtbar und wechselt über in die dunkle Welt, die als überhaupt nicht erstrebenswert und mit großem Panikfaktor in Szene gesetzt ist. In dieser Welt ist er jedoch sichtbar für die Ringgeister, die dort ihre alten - jedoch leicht verwesten - menschlichen Gesichter haben, während man in der Realität niemals unter ihre Kapuzen schauen kann. Dieses hatte einen echten Gänsehautfaktor. Der "Herr der Ringe" ist sicherlich nichts für Zartbesaitete; wer auf Liebe und Herzschmerz hofft, wird mit Sicherheit nicht glücklich und für den können diese drei Stunden im Kino sehr lang werden. Von mir hingegen gibt es die volle Punktzahl für Gewalt-, Ekel- und Horrorfaktor. |
| Kamera | Lobend erwähnen muß ich unbedingt die meiner Meinung nach geniale Kameraführung, die einen teilweise dermaßen rasant in hunderte von Meter tiefe Abgründe riß, durch Landschaften raste und einem so ungewöhnliche Totalen bot, daß ich mir oftmals wie in einer Achterbahn vorkam. Dadurch, daß die Kamera einen förmlich mitriß und man beinahe das Gefühl verlor, im Kinosessel zu sitzen, bekam der Film eine ganz besondere Dynamik. |
| schauspielerische Leistung |
Sehr zugute kam es dem Film auch, daß man - statt auf bekannte Hollywood-Größen - auf unverbrauchte Gesichter setzte. Ausnahmen wie Christopher Lee als finsterer Saruman bestätigen die Regel. Der Film wäre - hätte man ihn mit "Stars" wie Brad Bitt, Tom Cruise und George Clooney besetzt - sicherlich eine Katastrophe geworden. So war meiner Meinung nach jede Rolle bis hin zur kleinsten Nebenrolle perfekt besetzt, ohne daß man die Figuren mit hundert anderen Rollen verband oder sich von ihnen gestört fühlte oder diese ihre Egos ausleben konnten und den Film zur Selbstinszenierung nutzten. Besondere Erwähnung verdient in erster Linie Elijah Wood als Frodo. Obwohl ich bezweifle, daß er wirklich so klein ist, wie die moderne Tricktechnik ihn im Vergleich zu den Menschen und Elben erscheinen ließ, verkörperte er den Inbegriff des unschuldigen und reinen Hobbits. Mit seinen riesigen Augen schaffte er es irgendwie, gleichzeitig unschuldig und wie mit einer riesigen Last beladen zu wirken. Der Fluch des Ringes, der ihm gegen seinen Willen aufgeladen wurde, drückte sich in jedem Gesichtsausdruck aus. Mit dieser Mischung aus Verzweiflung und Entschlossenheit fühlte ich wirklich keinerlei Bedürfnis, mit ihm tauschen zu wollen ;-) Ganz gut gelungen fand ich übrigens die großen Hobbit-Füße - die Schauspieler trugen sie mit einer solchen Selbstverständlichkeit und ohne albern zu wirken oder gar zu watscheln, daß selbst dieses kleine Detail überzeugend herüberkam. Auch Sir Ian McKellen als Zauberer Gandalf sah genau so aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte. Der gutmütige Blick, der lange weiße Bart und seine ganze Statur - das war ein Gandalf, der soeben dem Buch entstiegen zu sein schien. Auch er verkörperte seine Rolle meiner Meinung nach so überzeugend, daß ich keine Sekunde den fatalen Gedanken hegte "naja, es sind halt Schauspieler". Ich denke, daß allen Beteiligten die Dreharbeiten viel Spaß gemacht haben und daß sie ihren ganzen Elan und Ehrgeiz in diese Rollen legten - frei von persönlichen Eitelkeiten, die schon so manchen Film schlecht machten. Ian McKellen war einfach Gandalf, genauso wie Elijah Wood einfach Frodo war. Ich muß zugeben, daß ich sogar Mühe habe, mir diese Personen "im echten Leben" vorzustellen ;-) Aber auch die anderen Gefährten waren durchweg gut besetzt - insbesondere den Zwerg Gimli mit seinem trockenen Humor und den etwas naiven, aber völlig loyalen und treuen Hobbit Sam Gamdschie möchte ich an dieser Stelle noch lobend hervorheben. Auch Aragorn und Boromir, die anderen Hobbits und der Elbe Legolas waren jedoch ausgezeichnet besetzt und wurden dementsprechend überzeugend verkörpert. Unter den Bösewichtern verdient natürlich Christopher Lee als Saruman besondere Erwähnung. Er schien dermaßen in dieser Rolle aufzugehen, daß man ihm die Freude am schieren Bösesein und Spiel deutlich anmerkte. Als persönlicher Bekannter und Fan JRR Tolkiens wurde für ihn mit dieser Rolle ein Traum wahr und das macht einen deutlichen Unterschied zu einem Filmangebot, das man aus rein finanziellen Gründen annimmt. Lee spielt, als sei dieser Film ihm ein persönliches Anliegen. Insbesondere in den Kampfszenen mit Gandalf und bei der Erschaffung der finsteren Armeen wirkt er nahezu erschreckend begeistert :-) Zwar waren sowohl Eldrond als auch Arwen nicht nach meinem Geschmack, das mag aber daran liegen, daß ich sie schon im Buch nicht leiden konnte. Auch schauspieltechnisch gibt es von mir deshalb die Höchstnote. |
| Drehbuch und Story |
An dieser Stelle bietet sich eines ein: Ein Vergleich des Filmdrehbuchs mit der Original-Buchvorlage. Da die Leute sich immer wieder darüber streiten, ob der Film nun eine authentische und zeilengetreue Verfilmung des Buches ist, möchte auch ich kurz meinen Senf dazugeben. Ich muß an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich kein überzeugter Tolkienist bin und deswegen diesem Buch nicht völlig verfallen bin. Ich habe es zwar gelesen, jedoch muß ich zugeben, daß es mir nicht hundertprozentig gefallen hat (ja, erschlagt mich ruhig! ;-) Für meinen Geschmack hatte das Buch zu viele Längen und insbesondere ging mir die ewige Singerei ziemlich auf die Nerven. Es mag Leute geben, für die gerade die endlosen Gemeinschaftsabende mit Lyrik und Dichtkunst sowie gemeinsamen Sangesfreuden ein Highlight des Buches gewesen sein mögen, ich fand diese Stellen immer ziemlich öde. Auch fand ich, daß das Buch sonst viele Längen hat, zum Beispiel schreckte mich gerade die Endlos-Beschreibung von Bilbos Geburtstagsparty zu Beginn mich ziemlich ab. Umso erfreuter war ich, daß in diesem Film genau die Punkte, die mir am Buch nicht gefallen hatten, nicht vorkamen. Ich muß zugeben, daß ich wirklich Angst hatte, ständig mit Hobbitgesängen und Elfengedichten belästigt zu werden und insbesondere als die Gruppe in Elronds Haus eintraf, befürchtete ich Bilbos Endlos-Gesänge. Aber zu meiner großen Freude wurde in diesem Film tatsächlich nicht ein einziges Mal gesungen. Das mag mancher Tolkienist als Makel empfinden, ich fand es sehr angenehm, denn dadurch wurde dem Film einiges an Länge genommen. Auch kam es mir sehr entgegen, daß die gesellschaftlichen Szenen und Anlässe, wie z.B. auf Bilbos Party oder vor Elronds Council stark gekürzt bzw. auf Wesentliche beschränkt wurden. Daß einige Hintergründe und Szenen, die im Buch erst später erscheinen, insbesondere was die Geschichte rund um Sauron und den Ring angeht, bereits ziemlich an den Anfang gestellt wurde, fand ich nicht weiter schlimm; ganz im Gegenteil wurde es dadurch möglich, sehr direkt in die Geschichte einzusteigen. Daß einige Szenen komprimiert und zusammengefaßt wurden, diente ebenfalls der Anschaulichkeit, denn ansonsten wäre der Film zu sehr ausgeufert. Das Buch mag für einige als "nicht verfilmbar" gelten; ich jedenfalls finde, daß es durchaus sinnvoll verfilmt worden ist, indem Jackson an einigen Stellen diese kleinen Kompromisse einging, und dafür ein unglaublich opulentes Werk herauskam, das sich nicht im Detailsumpf verzettelt und trotzdem so nah wie möglich an der literarischen Vorlage bleibt. So nah wie möglich heißt, daß es nicht Wort für Wort abgefilmt wurde, sondern einen Kompromiß mit dem tatsächlich Machbaren und Sinnvollen einging - ein Film ist nun mal kein Buch und ein völlig anderes Medium, das in anderen Zeitdimensionen funktioniert als ein 1000-seitiger Schmöker. Jedenfalls ist der Film so nah an der Vorlange wie möglich - und so wünschenswert wir möglich. |
| Sound und Musik |
Ein weiteres Highlight für mich ist definitiv der geniale Soundtrack des Films. Inbesondere die Carmina Burana-artigen Chorgesänge tragen sehr zur Atmosphäre bei und das Chorthema der Ringgeister erinnerte mich stark an den (genialen) Titeltrack aus dem Playstation-Spiel "Final Fantasy VIII" oder den Sephiroth-Gesängen aus Teil VII. Der orchestrale Soundtrack gehört für mich zu den besten Soundtracks überhaupt; er paßt an jeder Stelle perfekt zur Szenerie und erhöht definitiv die atmosphärische Dichte. Neben den pathetischen und gesungenen Passagen gibt es jedoch auch keltische Anklänge (was nicht zuletzt am Schlußtrack von Enya liegt) und teilweise hat die Musik - zumindest in den harmonischen Szenen im Hobbitland - Anklänge an irischen und schottischen Folk, was jedoch ebenfalls ausgezeichnet paßt. Mir persönlich hat aber die Musik zu Schlachtszenen und den Reitern am allerbesten gefallen und es war für mich keine Frage, mir diesen Soundtrack auch auf CD zu kaufen. Höchstnote. Auch der Sound selbst war tadellos bis erschreckend. Wir waren im Bonner Großkino Kinopolis, das mit allen soundtechnischen Finessen auf der Höhe der Zeit wie Dolby und THX ausgestattet ist, so daß einen die Soundkulisse teilweise in den Sitz drückte. Die tosenden magischen Schlachten, das Gebrüll und die teilweise wirklich abartigen Laute der Kreaturen und besonders die Schreie der Ringgeister trieben uns im Kino den Schweiß auf die Stirn. Der Sound ist genauso perfekt in Szene gesetzt wie der Film und die Musik. |
| Fazit |
Es ist mit Sicherheit nicht das letzte Mal, daß ich den "Herrn der Ringe" gesehen habe (mittlerweile habe ich natürlich alle drei Teile als Extended Edition auf DVD, was mich aber nicht daran hindert, mir sie ab und zu immer wieder anzusehen). Die Inszenierung ist so erschlagend und gigantomanisch, daß man den Film sicherlich einige Male sehen muß, bis einem überhaupt alles aufgefallen ist. Ich war von der ersten Sekunde an beeindruckt und sofort gebannt und diese Faszination ließ mich bis zum Ende des Films nicht mehr los. Es waren mit Sicherheit die kurzweiligsten drei Stunden am Stück, die ich seit langem in einem Kino erleben durfte und der Film ließ mir wirklich kaum Zeit zum Luftholen. Eine gigantische Kulisse jagte die nächste und gerade,wenn man dachte, jetzt wäre die Spitze erreicht und das könnte nicht mehr getoppt werden, führte einen die Kamera in einer halsbrecherischen Fahrt hinein in die nächste, noch größere und noch bedrohlichere Welt. Insbesondere die Abgründe von Mordor möchte ich an dieser Stelle hervorheben - die waren wirklich gänsehautfördernd! Mir hat an diesem Film wirklich alles gefallen, und das ist keine Übertreibung. Selten habe ich einen so perfekt gemachten - und dabei nicht steril wirkenden! - Film gesehen. Bei dermaßenen Großprojekten und Trickorgien besteht ja schnell die Gefahr, daß ein Film "seelenlos" wird und nur noch der Computertrick um seiner selbst willen zelebriert wird, nach dem Motto "Hey, schaut mal, was heutzutage alles möglich ist". Das ist beim "Herrn der Ringe" nicht der Fall. Die Tricktechnik, auch wenn sie sehr große Teile des Films einnimmt, steht nie alleine da oder wirkt übertrieben. Ganz im Gegenteil unterwirft sie sich immer der Handlung und der Geschichte und ist stets nur Stilmittel. Dementsprechend hat dieser Film meiner Meinung nach durch das Zusammenspiel aller Faktoren - gute Story, tolle Inszenierung, gute Schauspieler, geniale Musik - eine sehr dichte, unheimliche und teilweise sogar bedrückende Atmosphäre. Ich habe mich in den drei Stunden ausgezeichnet unterhalten gefühlt, mich nicht eine Sekunde gelangweilt und dem Film gelang es mit jeder Szene aufs neue, mich zu beeindrucken. Besonders positiv vermerken möchte ich auch, daß Peter Jackson dabei die Gratwanderung gelungen ist, den Film niemals ins Kitschige abgleiten zu lassen. Diese Geschichte um Freundschaft und Loyalität und Verlust und das gesamte Fantasy-Ambiente bergen ja immer die Gefahr und die Versuchung, auf die Tränendrüse zu drücken, aber trotz allem Pathos und tiefer Emotionen, die in diesem Film gelebt werden, bleibt er immer von kitschigen und schmalzigen Anwandlungen verschont. Das ist mir sehr positiv aufgefallen, da ich Kitsch im Film und insbesondere kitschige Enden überhaupt nicht leiden kann. Der "Herr der Ringe" ist tatsächlich ein Film, der dem Hype, der um ihn gemacht wird, gerecht wird. Er ist nicht einfach nur gut, er ist hervorragend und in meinen Augen ein echter Ausnahme-Film. Wer ihn nicht gesehen hat oder ihn - gerade wegen des Hypes, der darum gemacht wird - sogar absichtlich boykottiert, verpaßt etwas. Dieser Kinobesuch war ein echtes Erlebnis und ich stehe immer noch etwas unter Schock von diesem von Größenwahn durchdrungenen Machwerk. Obwohl er eine Großproduktion ist, ist HdR mit Sicherheit keine Mainstream-Produktion, sondern bis ins letzte, kleinste Detail mit absoluter Liebe zum Detail, großer Begeisterung, Mut und Innovation inszeniert - meiner Meinung nach ist der Versuch vollkommen gelungen! Peter Jackson hat mit diesem Film etwas abgeliefert, was das Zeug zum absoluten Klassiker hat und für mich zu den besten Filmen gehört, die ich jemals gesehen habe...und das will etwas heißen, denn solche Lobhudelei vergebe ich nicht leichtfertig! Also: Das Fazit fällt eindeutig aus, von mir gibt es die Höchstnote! Obwohl ich zuerst skeptisch war (singende Hobbits?, Mega-Hype, Großproduktion...), wurde ich nicht nur positiv überrascht, sondern völlig überzeugt. Mir gefällt einfach alles an dem Film. Zwar kann ich ihn nicht bedenkenlos zartbesaiteten Mitmenschen empfehlen, dazu ist er teilweise zu extrem, aber ansonsten kann ich nur sagen: Ignoriert den Hype und daß es "modern" ist, diesen Film zu schauen. Schaut Euch diesen Film einfach an, möglichst in einem großen Kino mit guter Soundanlage oder die erweiterten DVD-Versionen mit vielen Szenen, die die Handlung noch dichter machen und zum Verständnis beitragen. Wenn Ihr es nicht tut, verpaßt Ihr wirklich etwas! |
Hinweis: Auszüge dieser Review habe ich auch auf www.ciao.de veröffentlicht