Halo - Kampf um die Zukunft

Bewertung (von 1-10)
Grafik 9
Sound 9
Musik 10
Steuerung 10
Vielseitigkeit und Langzeitmotivation 7
KI 8
Realismusgrad 8
Gesamturteil: 9

PRO Filmreife Inszenierung, "Halo"-Feeling, geniale Steuerung, gute Feind-KI, faires Speichersystem, einer der besten Spiele-Soundtracks überhaupt!
CONTRA Deutsche Sprachausgabe nicht ganz optimal, stellenweise etwas langatmiges Leveldesign ("Bibliothek")

Halo - Kampf um die Zukunft
Plattformen XBox, PC
getestete Version XBox (deutsche ungeschnittene Originalfassung)
Publisher Bungie
Erscheinungsjahr 2002
Genre Ego-Shooter
FSK-Freigabe ab 16 Jahren
Fassungen Deutsche Fassung komplett lokalisiert incl. Sprachausgabe, ungeschnitten
Anzahl der Spieler 1-4 (Splitscreen), 1-16 (System Link)
Multiplayer Splitscreen und System Link (Koop der Kampagne, Deathmatch, Capture the Flag und weitere Modi)
Extras Dolby Digital
  Inhaltsangabe
Ära Zukunft (Jahr 2552)
Schauplatz Weltraum (an Bord eines Schiffes), Halo (die Ringwelt)
Cover-Text "Ein mächtiges Bündnis außerirdischer Rassen, die so genannte Allianz, zerstört das noch junge interstellare Imperium der Erde - mit dem Ziel, die Menschheit zu eliminieren. Sie und die anderen Überlebenden einer verwüsteten Kolonie unternehmen den verzweifelten Versuch, die Flotte der Außerirdischen von der Erde abzulenken. Ihr Schiff wird jedoch abgeschossen. Gestrandet in der Ringwelt Halo beginnen Sie einen Guerillakrieg gegen die Alianz. Kämpfen Sie für die Menschheit, besiegen Sie die außerirdischen Feinde und entdecken Sie die Geheimnisse von Halo."
Inhaltsangabe

Im Jahr 2552 steht die Menschheit vor einem Problem: Zahlreiche außerirdische Völker haben sich in religiösem Eifer zu einer Allianz zusammengeschlossen, um die Menschen zu vernichten, da sie deren Existenz als Beleidigung ihrer Götter ansehen.

Als die Menschen mehr und mehr Kolonien und Schiffe verlieren, erlassen sie ein verzweifeltes Gesetz, das sogenannte "Cole-Protokoll": Um jeden Preis muß vermieden werden, daß die Allianz zur Erde geführt wird, und selbst wenn das bedeutet, daß Schiffe, die geentert werden, sich selbst zerstören oder sie zum blinden Raumsprung ins Unbekannte gezwungen werden, um die Koordinaten der Erde auf keinen Fall preiszugeben.

In einem militärischen Geheimprojekt versuchten die Menschen indessen, die Koordinaten der außerirdischen Heimatplaneten zu ermitteln, indem sie speziell erschaffene und trainierte Cyborg-Soldaten ein Schiff der Allianz entern lassen wollen - doch der Plan schlägt fehl und die Allianz vernichtet die gesamte militärische Anlage und kommt der Erde dadurch gefährlich nahe. Nur ein einziges Schiff - die Pillar of Autumn - entkommt dem Massaker, mit dem einzig überlebende Cyborg-Elitesoldaten an Bord...und das bin ich :-)

Das X-Box-Spiel "Halo" ist ein futuristischer Science-Fiction-Ego-Shooter und wurde zudem zum Spiel des Jahres gewählt. Für mich war er unter anderem ein Kaufgrund für die X-Box. Soviel kann ich vorweg verraten: Ich habe den Kauf nicht bereut und halte Halo für eines der besten Spiele, das ich je gespielt habe. Insbesondere der absolut geniale Multiplayer-Modus konnte mich überzeugen.

Nach der Vorgeschichte, die ich in meiner Einleitung bereits beschrieben habe, kommen Sie ins Spiel: Sie übernehmen die Rolle des "Master Chiefs", des einzigen überlebenden "SPARTAN II-Soldaten". Sie befinden sich zu Beginn des Spiels in einer Kältekammer an Bord des Schiffes "Pillar of Autumn" im cryostatischen Tiefschlaf, als die Pillar of Autumn von Schiffen der Allianz angegriffen wird. Da Sie - als genetisch und technologisch verbesserter Elite-Soldat - die einzige Hoffnung der Menschheit sind, werden Sie aus dem Kälteschlaf geweckt. Mit ihren verbesserten Reflexen, ihrer größeren Kraft und der Fähigkeit, mit jeder menschlichen und außerirdischen Waffe umgehen zu können, wird ihnen eine besondere Aufgabe zuteil. Der Captain der "Pillar of Autumn" will das Schiff zerstören, doch an Bord befindet sich die künstliche Intelligenz "Cortana", die das Herzstück des Schiffes darstellt und in der alle Daten - inklusive der Koordinaten der Erde und Informationen über alle Operationen und Waffen der Menschheit - gespeichert sind. Sie kann sich zudem in die Computersysteme der Außerirdischen hacken und darf auf keinen Fall in die Hände der Allianz fallen.

Da Sie ein Cyborg sind, wird Ihnen Cortanas Speicherchip ausgehändigt - mit dem Auftrag, sie in Sicherheit zu bringen und zu beschützen. Ihre beiden Neuralnetze verbinden sich miteinander - mit der Folge, daß Sie fortan mit Cortana kommunizieren können und sie - in Form einer Frauenstimme - in Ihrem Kopf hören.

Während das Schiff von Außerirdischen geentert wird, kämpfen Sie sich zusammen mit einigen Marines, die sich ebenfalls an Bord befinden, zur Rettungskapsel vor. In letzter Sekunde gelingt Ihnen die Flucht, doch die Kapsel muß eine Notlandung machen - auf einem mysteriösen, offensichtlich künstlichen im Raum schwebenden Ring, dessen Innenfläche mit einem Ökosystem aus Meeren, Inseln, Bergen und gigantischen Bauwerken bedeckt ist - und auf dem es vor Allianztruppen nur so wimmelt.

Ihre erste Aufgabe ist es, die verstreuten Rettungskapseln zu suchen und die überlebenden Marines zu suchen, damit diese evakuiert werden können. Da die Handlung einen Großteil des Reizes des Spiels ausmacht, werde ich die wendungsreiche und überraschende Geschichte hinter Halo an dieser Stelle nicht weiter ausführen...nur soviel möchte ich verraten: Im Laufe des Spiels stellt sich heraus, daß es mit der Ringwelt - genannt "Halo" - etwas auf sich hat, das ganz und gar nicht erfreulich ist. Zudem treffen Sie im Laufe der Handlung auf weitere außerirdische Lebensformen, die nicht zur Allianz gehören und diese ebenfalls zu bekämpfen scheinen...unnötig zu erwähnen ist es, daß von Ihnen schließlich die Rettung und das Überleben der Menschheit abhängt...

Screenshots   
 
 
 
  Review #1 (verfaßt von: Denny Koch)
Gameplay

Startet man das Spiel, gelangt man in ein Menü, das einem die Wahl zwischen dem Einzelspieler-Modus, einem Multiplayer-Modus und dem Optionsmenü bietet. Auch können hier einige Spieldemos für andere XBox-Spiele angeschaut werden. Untermalt von der - meiner Meinung nach - genialen Musik (die übrigens auch auf CD erhältlich ist), ist das Menü hinterlegt von der im Weltraum rotierenden Ringwelt Halo. Wartet man einige Minuten, so erscheint eine ganz peppig inszenierte Spieldemo, die einen Einblick in die abwechslungsreiche Welt des Spiels bietet und neben diversen Leveln und Waffen auch auf die Mulitplayer-Möglichkeiten im Netzwerk und per Splitscreen hinweist.

Hat man ein neues Spielerprofil erstellt (hier kann man seinen Namen eingeben und seine bevorzugte Steuerung festlegen), startet man "Kampagne", um mit dem eigentlichen Spiel zu beginnen. Das Spiel speichert übrigens automatisch auf die eingebaute Festplatte der XBox, und das im Laufe des - teilweise happig schwierigen - Spiels erfreulich oft. Es ist möglich, beliebig viele Spielerprofile anzulegen, was vor allem für den Multiplayer-Modus Sinn macht.

Startet man das Spiel, sieht man, daß es zwar 10 Missionen gibt, jedoch ist nur eine davon zu Beginn verfügbar: Pillar of Autumn.

Waffen, Fahrzeuge, Gegenstände

Es ist möglich, fallengelassene Waffen aufzuheben und selbst zu benutzen - und es ist sogar nötig, denn anders als in diversen anderen Spielen hat der Master Chief keinen Zauberrucksack auf dem Rücken, in dem er alle Waffen unterbringt, sondern er kann jeweils nur 2 Waffen gleichzeitig tragen. Das zwingt einen ständig zur Überlegung, welche Waffe für welche Kampfsituation angeraten ist und auch - bei seltenen Waffen wie dem Scharfschützengewehr oder der Bazooka - mit der Munition zu haushalten. Oft muß man sich unter Schmerzen von einer liebgewonnenen Waffe trennen, weil sie sich einfach nicht rentiert oder weil einem die Munition ausgegangen ist. Munition für menschliche Waffen, z.B. das Sturmgewehr, die Schrotflinte oder Pistole, gibt es innerhalb von Alien-Raumschiffen oder -Festungen natürlich nicht; Nachschub findet man höchstens bei toten Marines oder an abgestürzten menschlichen Schiffen. Das gleiche gilt für Erste-Hilfe-Kästen, die ebenfalls nur bei menschlichen Überresten oder Schiffen zu finden sind.

Deswegen kann - insbesondere in späteren Leveln, wo man alleine und fernab der menschlichen Zivilisationen herumläuft - die Munition extrem knapp werden, so daß man sich entscheiden muß, ob man das Sturmgewehr nicht lieber wegwirft und eine außerirdische Plasmawaffe aufnimmt, oder in Hoffnung auf baldigen Munitionsfund eine leere Waffe mit sich herumträgt.

Die Waffen sind alle hervorragend animiert, insbesondere gefallen mir (optisch) die Waffen der Allianz, da sich auf ihren polierten Oberflächen die Umgebung physikalisch korrekt spiegelt. Auch Animationen wie das Überhitzen einer Waffe, was beim Plasmagewehr häufig der Fall ist, gefallen mir sehr gut. Der zweistufige Zoom des Scharfschützengewehrs ist ebenfalls hervorragend gelungen, das dazuschaltbare Nachsichtgerät tut sein übriges.

Gegen verschiedene Alien-Rassen helfen unterschiedliche Waffen. Während man mit dem Sturmgewehr schon mal ein ganzes Magazin verbraucht, um eine schildbewehrte Elite zu besiegen, reicht der aufgeladene Schuß einer Plasmapistole, um dessen Schild sofort zu entladen. Hinter die Vor- und Nachteile der Waffen zu kommen und ständig vor der Entscheidung zu stehen, ist ein interessanter Faktor in diesem Spiel.

Zudem gibt es zwei Arten von Granaten, Splittergranaten, die mit Zeitverzögerung explodieren und dabei von Wänden abprallen, und die außerirdischen Plasmagranaten, die an Personen und Wänden haften und dann explodieren. Empfehlenswert ist diese Funktion zum Beispiel, wenn man einem Außerirdischen, der zu seiner Verstärkung rennt, eine Plasmagranate an den Rücken klebt, damit dieser seine Kollegen mit in die ewigen Jagdgründe reißt.

Zudem gibt es noch stationäre Geschütztürme, die man erklimmen und benutzen kann.

Es stehen im Spiel diverse Fahrzeuge zur Verfügung. Menschen verfügen über eine Art Jeep oder Buggy namens "Warthog", der sehr geländegängig ist und auf dessen Ladefläche sich ein Geschütz befindet. Mit diesem Fahrzeug muß man im Laufe des Spiels mehrere Male fahren, angenehm dabei ist, daß (computergesteuerte) Marines gerne auf dem Beifahrersitz und der Ladefläche Platz nehmen und einem Deckung geben.

Zudem gibt es Scorpion-Panzer, Gleiter und Luftfahrzeuge, die man allesamt benutzen kann oder teilweise auch muß.

Gelegentlich gibt es Gegenstände wie Unsichbarkeitsschilde zu finden, die die eigene Figur für eine Zeitlang (mit einem netten grafischen Effekt) verschwinden lassen. Leider verfügen die Feinde über den selben Trick und nichts ist schlimmer als eine unsichtbare Elite, die einen aus dem Hinterhalt angreift. Auch wird man sofort sichtbar, wenn man beschossen wird und auch das Mündungsfeuer bleibt weiterhin für alle sichtbar.

Feinde

Die Allianz besteht aus verschiedenen Alien-Rassen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Zum einen gibt es die kleinen und feigen Grunts, die gerne in Horden herumlaufen, aber schreiend wegrennen, wenn man ihren Anführer erschießt. Sie reden in einer für Menschen verständlichen Sprache und werfen sehr gerne Granaten, was sie mit einem "alle Mann ducken!!!" kenntlich machen. Auch sonst haben sie markige Sprüche wie "stirb!", "blute!" oder "Der Anführer ist tot! Verstecken!" auf Lager.

Gefährlicher sind die grunzende "Elite", etwa 2 Meter große Wesen, die es in verschiedenen Rüstungsfarben gibt. Am harmlosesten sind die roten, am gefährlichsten die goldenen Eliten. Sie verfügen immer über ein Energieschild, das sich wieder aufläd, wenn man in seinem Angriff innehält und sie haben zudem eine sehr hohe KI (künstliche Intelligenz), d.h. sie nutzen jede Deckung und sie locken eine gerne aus der eigenen heraus. Dazu nutzen sie Hinterhalte und umgeben sich gerne mit Grunts. Insbesondere vor der goldenen Elite habe ich Respekt, denn diese ist sich ihrer Überlegenheit deutlich bewußt und stürmt auch schon mal frontal auf einen zu, wenn man angeschlagen ist. Besonders fies ist ihre Waffe, ein Plasmaschwert, das einen mit einem Schlag töten kann.

Schakale sind klein, tragen aber ein großes Plasmaschild mit sich herum, das einige Waffen reflektiert. Jäger sind fast 3,50 m groß und am ganzen Körper mit Stacheln bewehrt, zudem haben sie einen Raketenwerfer im Arm implantiert. Sie haben nur eine einzige schwache Stelle, ansonsten sind sie immun gegen alle Waffen außer Granaten und Bazooka. Die schwache Stelle werde ich hier natürlich nicht verraten, viel Spaß mit diesen Feinden ;-)

Im Laufe des Spiels stößt man auf andere Außerirdische, die mit der Allianz nichts zu tun haben, aber zu ihnen werde ich gar nichts sagen... da bleibt mir auch nur, dem Spieler "viel Spaß" zu wünschen...

Freunde

Auch wenn man der einzig überlebende SPARTAN-Soldat ist, ist man nicht allein - zahlreiche Marines kämpfen an seiner Seite. Diese Marines handeln intelligent, geben sich und mir gegenseitig Deckung, säubern Räume und gehen alles in allem taktisch vor. Dazu rufen und sprechen sie und handeln durchaus menschlich. Sie erliegen dem Frontkoller, schreien, feuern wild drauf los, rufen sich selbst zur Ordnung und entschuldigen sich, wenn sie sich in die Schußlinie laufen. Mit den Marines voranzuschreiten, macht einfach nur Spaß und da sie sich deutlich freuen, wenn man auftaucht und einen auch mit ihren Rufen und Sprüchen einbeziehen ("guter Schuß!"), fühlt man sich sehr integriert und erlebt tatsächlich ein Gemeinschaftsgefühl.

Cortana, die im eigenen Neuralnetz implantiert ist, gibt einem gelegentliche Hinweise und teilt einem mit, was man als nächstes machen muß. Die Aufträge und Einsatzziele in den einzelnen Missionen ändern sich nämlich häufig.

Leveldesign

Das Leveldesign ist ein etwas zweischneidiges Schwert. Während die Außenlevel (die etwa 50% des Spiels einnehmen), über jeden Zweifel erhaben sind, die Areale und Wege weitläufig und frei wählbar sind und man überall hinfahren und -laufen kann, wo man möchte, werden die Innenlevel gegen Ende des Spiels hin teilweise etwas zäh. Zwar sind auch sie grafisch 1a, die Texturen unglaublich klar, selbst wenn man mit der Nase davorsteht, aber besonders im Level "Die Bibliothek" zieht sich das Gameplay sehr hin, da man nicht - wie in den anderen Missionen - zahlreiche wechselnde Aufgaben erfüllen muß, sondern man einfach einen sehr, sehr langen und sehr sehr nervigen Weg laufen muß, der es - aufgrund der Feinde - sehr in sich hat. Die Gebäude sind sehr riesig und bestehen aus etlichen, oft symmetrisch aufgebauten Stockwerken, aber in einigen Missionen haben sie es mit der Größe etwas übertrieben und man hofft wirklich, bald Licht am Horizont zu sehen. Ansonsten weisen auch die Innenlevel beeindruckende Schauplätze, gigantische Hallen und beeindruckende Effekte auf.

Die einzelnen Level unterscheiden sich untereinander stark, so läuft man in Raumschiffen (menschlich und Alien), im Sonnenschein auf Halo, im Schnee, in einem Sumpf (mit hunderten von animierten Glühwürmchen :-) oder in Seen aus Kühlflüssigkeit herum oder benutzt diverse Fahrzeuge. Die Missionen dauern EWIG, sind unglaublich lang und umfangreich und abgesehen von einigen wirklich quälend langatmigen Missionen ("die Bibliothek") wird in Halo für Abwechslung gesorgt. Die Handlung ist dabei voller Wendungen und Überraschungen und hat mich sehr in den Bann gezogen.

Grafik

Die Grafik bei Halo hat mich teilweise sehr beeindruckt - und teilweise etwas verwundert. Die Handlung des Spiels wird unter anderem durch Zwischensequenzen weitererzählt und ich muß zugeben, daß Halo das erste Spiel ist, wo die Spielegrafik besser aussieht als die Grafik der Filmsequenzen. Als ich den Einleitungsfilm sah, dachte ich mir "nett, aber nichts, was die Dreamcast nicht auch hinbekommen hätte". Das sollte die vielbeschworene XBox-Grafik sein? Die Figuren und Gegenstände in den Zwischenfilmen wirken eckig und teilweise hölzern.

Als das Spiel selbst begann, war ich jedoch angemessen beeindruckt - hier sehen die Figuren deutlich geschmeidiger aus und bewegen sich nahezu natürlich. Die Umgebungsgrafik strotzt vor Details und Effekten. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß die Filmsequenzen noch aus alten PC-Zeiten stammen (an Halo wurde drei Jahre lang entwickelt) und die Spielegrafik einfach aktueller ist. Seltsam, aber wahr.

Der Schock (im positiven Sinne) traf mich, als ich zum erstenmal Halo selbst sah - der Himmel, die Umgebung, verleiteten mich dazu, mit offenem Mund auf einem Berg herumzustehen und mich minutenlang nur umzuschauen (was dann auch prompt mit meinem Tod endete). Die Außenlevel sind unglaublich weitreichend, keine Spur von Pop-ups oder Nebel, man sieht bis zum Horizont und darüber hinaus und die Grafik ist mit das schönste, was ich bislang in einem Spiel gesehen habe. Die gigantischen, Leuchtfeuer-spuckenden Tempelanlagen sind mehr als beeindruckend.

Auch die Innenlevel weisen eine Vielzahl von grafischen Spielereien auf, Lichteffekte aller Art, futuristische und außerirdische Gegenstände und Kontrolleinrichtungen und extrem saubere Texturen. Sehr beeindruckt hat mich das animierte Eis, über das man mit seinem Warthog fahren kann, die Spiegelungen auf den Waffen und viele andere, liebevolle Details, die die Grafik wirklich zu etwas besonderem machen.

Das Spiel läuft flüssig, abgesehen von einem leichten Stottern der Filmsequenzen und einem gelegentlichen Innehalten, wenn die XBox den Spielstand auf die Festplatte speichert oder nachläd. Zum Glück speichert sie recht häufig, so daß es unnötig ist, die riesigen Level beim Aufhören wieder ganz von vorne zu starten oder nach nervigen Speicherpunkten zu suchen. Für den Bruchteil, den das Spiel innehält, ist ein erklärendes "Kontrollpunkt - gespeichert" oder "läd" eingeblendet, so daß man nicht fälschlicherweise annimmt, daß das Spiel ruckeln würde. Im allerletzten Level kam es bei mir zu leichten Slowdowns, aber was die XBox dort auf den Fernseher zaubert, ist wirklich schon extrem und das Wort "Effektorgie" trifft es nicht ganz...

Soundeffekte Der Sound ist kristallklar und Halo ist das erste XBox Spiel, das Dolby 5.1 in Perfektion nutzt; räumliche Wahrnehmung der Feinde ist möglich. Die Fahrzeuge, die Waffen, die Schreie und Ausrufe der Aliens und der Marines schaffen eine einmalige und rundum perfekte Soundkulisse. Die Sprachausgabe ist komplett in deutsch, aber die Synchronsprecher gehen in Ordnung.
Musik Der Soundtrack ist genial und abwechslungsreich, mal erinnert er an gregorianische Chöre, manchmal klingt er wie die finnische Cello-Gruppe "Apokalyptica", mal ist er techno-inspiriert, mal sphärisch...der treibende und dynamische Soundtrack ist mit für die dichte Atmosphäre dieses Spiels verantwortlich und gehört für mich zu den absoluten Highlights und einem der besten Videospiel-Soundtracks überhaupt. Allein die Titelmelodie veranlaßt mich schon zu wohligen Schauern und das hat übrigens auch den Wiedererkennungswert von Halo 2 zum großen Teil ausgemacht - hört man diese Halo-Melodie ist das typische Gefühl gleich wieder da!
Steuerung

Sehr gut gefiel mir die Art und Weise, wie man in der ersten Mission mit der doch recht komplexen Steuerung vertraut gemacht wird. Anstatt eines "Tutorials" wird man - als Master Chief - aus der Kühlkammer geholt und danach von einem Techniker einem Systemcheck unterzogen. In diesem kann man sich dann entscheiden, ob man die invertierte oder normale Steuerung vorzieht und lernt die Grundlagen der Bedienung. Im Laufe des ersten Levels werden zudem Tasten-Hilfen eingeblendet, z.B. wenn man sich das erste Mal ducken oder wenn man springen muß, damit man weiß, wo diese Funktionen liegen. Das in die Handlung integrierte Erlernen der Steuerung fand ich eine innovative Idee (mittlerweile ist sie übrigens zum Standard auf nahezu allen XBox Ego- und Taktikshootern geworden, was ich sehr begrüße, weil man diese Spiele ohne jegliche Eingewöhnungszeit sofort spielen kann).

Womit wir beim Thema wären. Die Steuerung in Halo ist komplex und bedarf einiger Eingewöhnungszeit, wenn sie aber in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist sie genial und geht smooth von der Hand. Zu Beginn bin ich wirklich unbeholfen herumgelaufen (bis ich entdeckte, daß mir das Controllerprofil "Legacy" mehr liegt als Standard) und nach dem Ende der ersten Mission hatte ich den Kniff heraus. Das Hauptproblem liegt darin, daß man beide Analogsticks zur Steuerung benutzt. In meinem Profil ist es so, daß der linke Stick zum vor- und zurücklaufen sowie für Drehungen benutzt wird und der rechte Stick zum Strafen, d.h. zum Laufen zur Seite und zum Hoch- und Herunterschauen. Durch die Verteilung der Hauptachsen auf zwei Sticks ist man ständig mit beiden zugange, dafür wird man hinterher mit einer extrem geschmeidigen Bewegungsfreiheit belohnt, die Strafen, Rückwärtslaufen und sich dabei um den Feind drehen gleichzeitig ermöglicht... also, nicht verzagen, es dauert einige Zeit, bis man es heraushat, aber die Mühe lohnt sich!

Weiterhin gibt es Tasten für das Aufnehmen von Waffen, das Nachladen, Waffenwechsel, Nahkampf und Springen. Der Zoom des Scharfschützengewehrs und das Ducken liegen auf den Minischaltern, die in die beiden Analogsticks integriert sind. Zudem hat man eine Taschenlampe (weiße Taste) und kann zwischen 2 verschiedenen Granaten wählen (schwarze Taste). Das Abfeuern der Waffe geschieht mittels der rechten Schultertaste, das Werfen der Granate (bei mir) mittels der linken. Die Belegung der Tasten kann jedoch geändert werden. Ich bin von der Steuerung sehr angetan und auch Andreas, mit dem ich den Mulitplayer-Modus in extenso durchgespielt habe, kam nach einigem Klagen schließlich wunderbar damit zurecht.

KI

Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Bestandteil des Spiels und wird bewußt eingesetzt, um die Alienklassen voneinander zu unterscheiden. Die "Anführer" der Allianz, die Eliten, zeichnen sich durch äußerst boshafte Intelligenz aus, während die kleinen Grunts sich eher dümmlich benehmen und nur in der Gruppe stark sind. Jede Alienrasse hat unterschiedliche Charakter- und Verhaltensweisen und das macht sich sehr positiv bemerkbar.

Auch die Intelligenz der eigenen Leute geht durchaus in Ordnung; die Marines verhalten sich realistisch und geben einem keinen Anlaß zum Ärgern (im Gegensatz z.B. zu den eigenen Leuten in Ghost Recon)

Zensur So weit mir bekannt ist, ist die deutsche Version ungeschnitten.
Multiplayer

Ein absolutes Highlight des Spiels ist der Multiplayer-Modus. Hier kann man entweder mit bis zu vier Leuten per geteiltem Bildschirm (Splitscreen) oder mit 16 Leuten an vernetzten Konsolen spielen. Zur Auswahl stehen etliche Spielmodi, vom bekannten Deathmatch, Capture the Flag, King of the Hill bis hin zu Wettfahrten mit allen möglichen Fahrzeugen. Zudem hat man die Möglichkeit, die Bedingungen der Level zu editieren und Parameter selbst zu ändern, wenn einem die vorgegebenen Bedingungen nicht genügen. Zur Auswahl stehen zahlreiche Arenen, von sehr riesig und weitläufig bis eher klein, Außenlevel wie Innenlevel, im Schnee, in der Sonne, in mehrstöckigen Gebäuden... hier dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Obwohl die meisten Arenen und Spielformen für mindestens 4 Spieler ausgelegt sind, macht es auch zu zweit sehr viel Spaß und wir haben uns viele Stunden lang mit Sniper-Gewehren aufgelauert oder mit Panzern gejagt oder uns gegenseitig die Autos geklaut. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Der absolute Hammer ist aber die Möglichkeit, das gesamte Spiel im "Kooperativen Modus" zu spielen. Hier ist es möglich, die gesamte Handlung des Spiels zu zweit, als zwei Master Chiefs, zu erleben und das macht DEFINITIV hundertmal so viel Spaß wie der Einzelspieler-Modus. Die taktischen und kooperativen Möglichkeiten, die Halo-Missionen zu bestreiten, sind riesig, so kann man Feinde in die Zange nehmen, sich gegenseitig Deckung geben, der eine kann sich aufs Snipern verlegen, der andere vielleicht die Bazooka nehmen, dazu noch kann man sein Vorgehen koordinieren...und das ganze dann auch noch mit den Marines macht das Spiel zu einem unglaublich mitreißenden und packenden Erlebnis. Wir waren uns nach dem Spielen des Kooperativ-Modus einig, daß eine unglaubliche Atmosphäre und ein wirklich dichtes Spielgefühl aufkommt und man hat wirklich das Gefühl, Hauptdarsteller in einem interaktiven Film zu sein. Besonderen Spaß macht es auch, zu zweit mit dem Warthog oder einem Panzer zu fahren (und natürlich noch zusätzlich ein paar Marines mitzunehmen).

Wer das Spiel im Kooperativ-Modus nicht gespielt hat, hat definitiv etwas verpaßt; dagegen ist der Einzelspieler-Modus geradezu öde. Aber das Spiel zu zweit im Split-Screen zu spielen, ist einfach ungeschlagen und macht "Halo" zu einem der besten Multiplayer-Spiele, die wir je gespielt haben, Punkt!

Die Grafik erleidet übrigens auch im Splitscreen keine sonderlichen Einbußen, weder wird an Lichteffekten noch an sonstigen beeindruckenden Szenarien gespart, so daß wir auch von der Flüssigkeit positiv überrascht waren.

Langzeitmotivation Wir haben den Kooperativ-Modus bereits mehrere Male durchgespielt (mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden) und auch die Deathmatches werden immer wieder gerne eingelegt. Die Stimmung und das Gefühl, "nach Halo zurückzukehren" ist so speziell, das man sie sich immer wieder gerne gönnt. Mittlerweile hat der Nachfolger, Halo 2, uns etwas vom Original abgebracht, aber Halo1 bleibt ein Klassiker (der in einigen Belangen sogar besser ist als die Fortsetzung!). Für Langzeitmotivation ist, zumindest zu zweit, auf jeden Fall gesorgt, aber auch alleine macht die Kampagne und die Herausforderung, sie auf höherem Schwierigkeitsgrad noch einmal zu spielen, Spaß.
Realismus Im Rahmen seines Settings bietet Halo 2 sicherlich eine realistische Kriegsdarstellung, auch wenn das Spiel eher in Richtung Ego-Shooter tendiert, als daß es taktische oder strategische Tiefe aufweist. Dennoch ist es mit sturem Ballern nicht getan; taktisches Vorgehen ist bei den unterschiedlichen Feinden Pflicht, die Zusammenarbeit mit den Marines, die Fahrzeuge und Waffen wirken authentisch und glaubwürdig.
Schwierigkeitsgrad

Hier hat man die Wahl zwischen 4 Schwierigkeitsgraden: Einfach, normal, heldenhaft, legendär. Die Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich enorm voneinander, sowohl was das Verhalten der Feinde als auch ihre Anzahl und die verwendeten Waffen angeht. Erfreulich ist, daß man für jede Mission neu den Schwierigkeitsgrad wählen kann; so ist man nicht dazu verdammt, ein auf "normal" begonnenes Spiel bis zum Ende auf "normal" zu spielen, sondern kann bei Bedarf die nächste Mission auf "einfach" spielen. Ich muß bekennen, daß ich die letzte Mission auf "einfach" gespielt habe, da es mir auf "normal" einfach zu viel wurde. Mittlerweile habe ich dafür die ersten Missionen auf "heldenhaft" bestritten. Es ist möglich, jede gespielte Mission jederzeit noch einmal zu spielen, wenn sie einmal freigeschaltet ist. Gerüchte sprechen davon, daß es Belohnungen dafür gibt, wenn man alle Missionen auf normal, heldenhaft und legendär durchgespielt hat; bis ich diese Gerüchte bestätigen kann, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen...denn das Spiel ist auch auf "normal" schon schwer genug.

Der Schwierigkeitsgrad steigt im Laufe des Spiels stark an, auf "einfach" dürfte es aber auch für unerfahrene Spieler mit einiger Ausdauer zu schaffen sein. Schon "normal" ist eine deutliche Steigerung und so ist das Spiel teilweise schon extrem heftig. Aber man kann es zum Glück ja zu weit spielen...

Fazit Aller kleinen Schwächen wie den optisch etwas schwächeren Zwischenfilmen oder den teilweise etwas nervigen Leveln zum Trotz, gehört Halo für mich zu den besten Spielen, die ich bislang gespielt habe. Diese Auszeichnung gebührt ihm aufgrund des genialen Multiplayer-Modus, denn die Atmosphäre, die beim Kooperativ-Modus aufkommt, ist so gewaltig und packend, das man sich wirklich wie in einem interaktiven Science-Fiction-Film fühlt. Wir konnten gar nicht mehr mit dem Spielen aufhören, selbst als uns um halb sechs Uhr morgens die Augen zufielen. Wer also einen guten Freund hat, der sich für derartige Spiele erwärmen kann, sollte diesen Spielmodus auf jeden Fall antesten, er wird nie wieder alleine nach "Halo" gehen...

Hinweis: Auszüge aus dieser Review habe ich auch auf www.ciao.de veröffentlicht


Aus Versehen hier? Keine Frames? Zur HFC-Hauptseite