Starlancer

"Filmreifes Weltraumepos!"

Bewertung (1=übel bis 10=genial)
Grafik 8
Sound 8
Musik 10
Steuerung 8
Vielseitigkeit und Langzeitmotivation 5
KI 9
Realismusgrad 8
Gesamturteil: 8

PRO Filmreife Inszenierung, extrem atmosphärisch und stimmungsvoll, vorbildliche Steuerung, geniale Musik 
CONTRA Stellenweise sehr schwierig; Sprachausgabe nur auf englisch

Starlancer
Plattformen Sega Dreamcast, PC
getestete Version Dreamcast
Publisher Ubi Soft / Crave Entertainment
Erscheinungsjahr 2000
Genre Weltraum-Shooter
FSK-Freigabe 12
Fassungen deutsche Version; englische und französische Fassung auf CD. Sprachausgabe komplett englisch!
Anzahl der Spieler 1
Multiplayer 2-6 online (auf Dreamcast nicht mehr verfügbar)
Extras Keyboard, Visual Memory, VGA, Vibration Pack kompatibel

  Review # 1 (verfaßt von: Denny Koch)
Ära Unbestimmte Zukunft
Schauplatz Unser Sonnensystem
Cover-Text "Erin und Chris Roberts, die preisgekrönten Designer von Wing Commander, präsentieren dieses Spiel, das ihre Vorstellungskraft weit übertreffen wird. Kämpfen Sie als Mitglied der 45. Eliteschwadron um die Herrschaft über die Galaxie oder fordern Sie Ihre Freunde zu epischen Multiplayer-Schlachten heraus. Die Koalition wird mit jeder Stunde stärker, und der Fall der Allianz rückt näher. Kämpfen Sie für die Freiheit! Die 45. braucht Sie! Wählen Sie aus einem Dutzend Schiffe und über 20 verheerenden Waffen. Die Starlancer 3D-Engine sorgt für beispiellos flüssigen Spielspaß. Online-Gaming für bis zu 6 Spieler. Dynamische Missionen beeinflussen die zentrale Handlung."
Inhaltsangabe

"Ab jetzt werden die Sterne von finsteren Schatten verdunkelt!", so lautet die Meldung des Oberkommandos an die Streitkräfte der Allianz. Im Jahr 2160 beenden die Russen und ihre neu gebildete Koalition mit Ländern des ehemaligen Osteuropas die Friedensgespräche durch einen Überraschungsangriff auf die französischen und italienischen Flotten im Orbit des Planeten Mars. Auch überrennen riesige Invasionstruppen Ganymed. Die Monde Io und Europa sind verloren. Auf dem Mars und der Erde toben erbitterte Kämpfe.

Mit diesem - nicht mehr ganz zeitgemäßen - Kalten-Krieg-Szenario beginnt der epische Weltraumshooter "Starlancer" für Sega Dreamcast. Auf der Seite der Allianz, die aus Flotten der Franzosen, Italiener, Spanier, Deutschen, Japaner und den USA bestehen, bekämpft der Spieler in den folgenden 23 Missionen als Pilot eines Weltraumjägers die böse Flotte der Koalition.

Zu Beginn meldet man sich zu den 45th Volunteers und beginnt als Rekrut mit der Pilotenkarriere. Im Laufe der Missionen steigt man (abhängig von seinen Erfolgen in der Schlacht) im Rang auf und kann bis zum Rang eines Flight Captains der berühmt-berüchtigten Staffel "Tigers" aufsteigen (ob es noch höhere Ränge gibt, weiß ich nicht; Flight Captain ist der höchste Rang, von dem ich bislang miterlebt habe, das ihn jemand erreicht hat.) In zahlreichen Missionen, die von reinen Angriffsmissionen über Konvoi- und Suchaufträge bis hin zu Infiltration oder Befreiung von Offizieren aus Kriegsgefangenenschiffen reichen, wird die weitere Geschichte des Krieges fortgeführt. Während die Karten für die weit versprengte Allianz zu Beginn noch schlecht stehen, wendet sich im Laufe des Spiels und mit der Zahl der erfolgreichen Einsätze das Blatt und die Allianz geht zum Angriff über, um die böse Koalition aus ihrem Raum zu vertreiben und zu zerschlagen.

Erzählt wird die Geschichte durch gute gerenderte FMV-Zwischensequenzen, die in Form einer Nachrichtenberichterstattung gehalten sind, und durch das Briefing durch das Oberkommando zu Beginn jeder Mission sowie den Abschlußbericht, in dem die beendete Mission und die eigenen Leistungen bewertet werden. Im Laufe der Handlung ergeben sich überraschende Wendungen, spannende Details und der gesamte Krieg kommt sehr gut herüber; man fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes als Teil der Staffel, auch, da man sowohl in Zwischensequenzen als auch in allen anderen Szenen des Spiels persönlich angesprochen wird und nicht als "Beobachter" einer Handlung zusieht.

 Screenshots

  Kritik
Gameplay

Angenehm ist zu Beginn die Möglichkeit einer Wahl zwischen einem 50 Hz oder 60 Hz-Modus. Wessen Fernseher 60 Hz zuläßt, der sollte zu dieser Option greifen, da das Spiel dadurch natürlich besser aussieht und flüssiger läuft.

Das Spiel startet mit einem epischen Rendervorspann, der von dem feigen Überfall der Koalition während der Friedens- und Zukunftsgespräche berichtet und in nachrichtenähnliche Frontberichterstattung des Krieges übergeht. Dieser sehr lange Vorspann gefällt mir extrem gut und er versetzt den Spieler direkt in die richtige Stimmung... Zu Beginn erfährt man, daß man nun offensichtlich Rekrut in der 45er Freiwilligen-Staffel ist und zukünftig für die Freiheit der Allianz kämpfen wird.

Im anschließenden, schlicht gehaltenen Auswahlmenü, das von einer extrem bösartigen und bedrohlichen Musik untermalt wird, hat man die Auswahl zwischen verschiedenen Spielmodi: Dem eigentlichen Spiel, der "Instant Action" (einer Art Flugsimulator, in dem man die Steuerung und das Kämpfen erlernt), dem Deathmatch-Modus (Multiplayer-Variante, leider nur online und deswegen zumindest auf Dreamcast mittlerweile nicht mehr verfügbar) und einem Optionsmenü.

Vor jeder Mission findet eine Einsatzbesprechung statt, auf der auf einem Monitor in Vektorgrafik schematisch die folgenden Einsatzziele und Taktiken erläutert werden. Zwar ändern sich diese Ziele im Laufe der Schlacht ohnehin meistens (Theorie und Praxis sind im Krieg nunmal nicht unbedingt das gleiche...), aber zumindest bekommt man eine Vorstellung davon, was einen erwartet und welche Ausrüstung man mitnehmen sollte.

Nach dem Briefing kommt man in die Schiffsauswahl, wo sich zwischen 4 und 12 Raumjäger zur Wahl stellen (im Laufe des Spiels spielt man immer neue Schiffe frei). Diese unterscheiden sich recht deutlich, sowohl im Flugverhalten als auch in ihrer Ausstattung. Einige verfügen über Umkehrschub, d.h. sie können rückwärts fliegen, was besonders für Missionen von Vorteil ist, wo einzelne Ziele wie Abdeckplatten einer stationären Riesenwaffe gezielt attackiert werden müssen, über ECM (ein besonderes Schild, das feindliche Raketen ablenkt), eine Tarnvorrichtung oder sonstige Features; einige haben mehrere Angriffswaffen (Laser, Tachyonen, Strahlenkanonen, die einzeln oder zusammengeschaltet werden können), einige können viele Raketen und Zusatztreibstofftanks aufnehmen, andere nur wenige. Einige haben eine höhere Beschleunigung, andere eine bessere Panzerung...ein sorgfältiges Studium der Schiffe ist also notwendig. Bis auf wenige Missionen, wo ein bestimmter Schiffstyp vorgeschrieben ist, bleibt es dem Spieler völlig überlassen, welches Schiff er benutzen möchte und womit er es ausstatten möchte.

Es gibt zahlreiche Raketentypen, einige mit Zielaufschaltung, andere ohne, einige stören den feindlichen Radar, andere haben extrem lange Lockzeiten und dafür eine hohe Zerstörungskraft...auch hier bleibt es dem Spieler vollkommen überlassen, womit er sein Schiff ausrüstet. Statt Raketen kann auch zusätzlicher Nachbrennersprit mitgenommen werden. All dieses ist völlig frei wählbar. Nach einiger Zeit hat man ohnehin seine Lieblingswaffen gefunden und kann in etwa absehen, wieviel Sprit man für gewöhnlich verbraucht, so daß die Wahl im Laufe des Spiels und mit der Entscheidung für ein Lieblingsschiff immer routinierter wird.

Die Vielzahl von Anzeigen auf dem Display im eigentlichen Spiel wirken im ersten Moment etwas erschlagend, aber wenn man sich "eingesehen" hat, weiß man den Informationsgehalt zu schätzen. Das Schiff wird aus der Cockpit-Innenansicht geflogen (Standard; Außenansichten sind möglich, dämpfen aber den Spielspaß und das Gefühl des "Dabeiseins"). Neben den Fensterverstrebungen sieht man die Steuereiheit und die Hände des Piloten. Das Cockpit unterscheidet sich natürlich je nach gewähltem Raumschifftyp.

Im linken oberen Bildschirmfenster finden die Dialoge mit anderen Piloten, der Leitzentrale oder auch dem Feind statt; da die Missionsziele vor allem durch regen Funkverkehr geführt werden, sieht man in diesem Fenster immer denjenigen, der gerade spricht. Dieses sind in der Regel andere Piloten (die sich sehr schön bewegen oder auch nervös umblicken). Wenn man auf besonders bösartige Feinde trifft (die Gebrüder Petrov sind ein immer wieder auftauchendes Ärgernis), nutzen diese die Kommunikationsmethode auch schon einmal für zersetzende Sendungen. So sieht man das "Gesicht" eines feindlichen Piloten (die vorzugsweise schwarz-rote, finstere Helme tragen), die einem deutlich machen, daß man keine Chance gegen die Koalition hat, bald in der Hölle brennen wird oder daß man sich auf seinen Tod vorbereiten soll. Zerstört man einen feindlichen Jäger, sieht man in dessen Cockpit eine Explosion und den Tod des Piloten live und in Farbe, während man seine Schreie hört (manche rufen auch, daß sie nicht sterben wollen oder ähnliche bedeutende letzte Worte). Da man im Laufe des Spiels aufgrund der dichten Atmosphäre ohnehin einen Haß auf die feindlichen Piloten entwickelt, erfüllen einen diese Tode mit großer Genugtuung.

Der untere Teil des Bildschirms wird vom HUD eingenommen, einem dreidimensionalem Ortungssystem (ähnlich wie bei der "Mutter" aller Weltraumspiele, dem Klassiker "Elite"), auf dem man die genaue Position jedes feindlichen (und auch der verbündeten) Schiffe ablesen kann. Links daneben befindet sich die Schild-Anzeige des eigenen Schiffes, unterteilt in Bug, Heck und Seitenschilde sowie eine Unterteilung in Außenschild und Panzerung. Rechts unten sind die Daten über das aktuell erfaßte feindliche oder verbündete Schiff angezeigt, dessen Typ, Schildzustand und Name des Piloten (soweit bekannt). Am oberen Bildrand erhält man Auskunft über seine aktuelle Raketenauswahl (bzw. kann dort die Raketen auswählen), über Spritmenge (wichtig für Nachbrenner), Anzahl seiner Abschüsse, Anzahl der Täuschkörper, Dauer der bisherigen Missionszeit und welche zusätzlichen Features aktiviert sind (z.B. Vorhaltesystem). In Ier Mitte des Bildschirms befindet sich schließlich das Fadenkreuz sowie eine Beschleunigungs- und Waffenzustandsanzeige und die Zielkursanzeige, die zum nächsten angewählten Ziel hinweist.

Öffnet man ein Menü, legen sich dessen Informationen halbtransparent über die linke Bildschirmhälfte. In der rechten Bildschirmhälfte sind die Informationen abzulesen, durch die man mittels des geöffneten Menüs hindurchscrollt. Keine Angst, das liest sich wirklich schwieriger, als es ist - nach kurzer Eingewöhnungszeit möchte man nichts mehr missen und registriert all diese Dinge nur noch unterbewußt.

Sehr gut gefallen hat mir auch ein weiteres kleines Feature dieses Spieles: Mini-Filmsequenzen beim Tod, bei unehrenhaftem Verhalten oder Belobigungen. Wenn man abgeschossen wird, sieht man zum Ende des Spiels in einer Rendersequenz seine eigene Bestattung mit allen militärischen Ehren in einer heroischen Zeremonie. Wer wollte nicht schon immer mal seine eigene Bestattung sehen? Allein dafür lohnt es sich schon, sich abschießen zu lassen, aber dieses freiwillig zu tun, ist nicht nötig; der Feind sorgt ohnehin oft genug dafür, daß man diesen Film irgendwann nicht mehr sehen kann ;-) Im übrigen unterscheiden sich die Bestattungsriten je nachdem, ob man sich auf einem amerikanischen Schiff oder auf einem japanischen Schiff befindet. Wenn man einen befreundeten Jäger aus Versehen abgeschossen hat, bekommt man einen anderen Aspekts seines Todes zu sehen: Man wird standrechtlich erschossen. In einer Rendersequenz aus der Ego-Perspektive steht man vor einem Erschießungskommando, anschließend werden einem die Augen verbunden und man hört nur noch den Feuerbefehl. Hat man sich unehrenhaft verhalten, wird man (ebenfalls in der Ego-Perspektive) zum Kommandanten zitiert, der einem seine Enttäuschung ins Gesicht brüllt und einen schließlich an den letzten Außenposten der Abfallverwertung versetzt... Auch Belobigungen und die Verleihung von Medaillen sind in kleinen Sequenzen inszeniert, in denen man vom Kommandanten und seinen Vorgesetzten seine Auszeichnung überreicht bekommt.

Diese Kleinigkeiten sorgen, neben der regelmäßigen, im Stil einer Nachrichtensendung gehaltenen Lage- und Zwischenberichte über den Fortgang des Krieges, für die filmreife Atmosphäre. Gut gemacht ist es auch, daß man im Laufe dieser "Nachrichtensendungen" unter anderem die Berichterstattung über seine eigenen Einsätze zu sehen bekommt ("Die Tigers haben heute einen besonders großen militärischen Erfolg beim Ganymed errungen..."). Man fühlt sich quasi wie ein Held und stellt sich vor, daß Milliarden von Bürgern der Allianz von seinen Erfolgen in den Nachrichten hören. Die FMV (Filmsequenzen) sind durchweg von hoher Qualität.

Grafik

Nicht unterschlagen werden sollte die Tatsache, daß es sich bei Starlancer um eine PC-Konvertierung handelt, die auf Windows CE basiert - mit all den Nachteilen dieses Betriebssystems. Windows CE-Spiele zeichnen sich dadurch aus, daß sie gelegentlich zu Abstürzen und Aufhängern neigen. Dieses tun sie auch auf einer Konsole, auch wenn man von Konsolen für gewöhnlich etwas anderes gewohnt ist (und worin ja auch ein Vorteil vom Konsolenspielen liegt, daß sie viel stabiler gegenüber einem PC sind und kein ganzes Betriebssystem mit sich herumschleppen müssen). Es hält sich bei Starlancer zwar in Grenzen, aber bisweilen sind kleine Ruckler und Abstürze vorgekommen. Mir selbst ist das Spiel zweimal abgestürzt; einmal nach dem Vorspann und einmal in einem Kampf. Auch gibt es kleinere Bugs, die aber dem Durchschnittsspieler nicht auffallen (z.B. wenn man in Mission 21 - nachdem man gescheitert ist - auf "Neustart" drückt, weil man keine Lust hat, sich das ganze Ende und seinen Tod anzuschauen sowie den ganzen ersten Teil mit der Infiltration neu zu spielen, startet man zwar in der Abschußrampe der Yamato, jedoch hat man kein Schiff und kann auch nichts tun. Die Geräusche der Mission laufen weiter, aber ansonsten geschieht nichts). Das sind aber Punkte, mit denen man leben kann.

Ansonsten ist die Grafik sehr gut; Das Weltall ist sehr schön anzusehen - Raumnebel, Sterne, riesige Planeten. Auch die Lichteffekte sind hervorragend, wo sonst sieht man Lens-flare-Effekte im All? Es gibt die unterschiedlichsten Schiffe; von kleinen Jägern bis hin zu
bildschirmfüllenden "Sternzerstörern" ist alles vorhanden; die gigantische Ionenkanone der Russen ist schon in der Intro-Sequenz der entsprechenden Mission äußerst respekteinflößend. Riesige Warp-Tore, ganze Konvois und Staffelformationen sind im Weltall anzutreffen. Die Schiffe wirken bisweilen eckig und sind etwas arm texturiert, wodurch ihre Herkunft aus einem PC-Spiel zu erkennen ist, dennoch zeigt schon ihr Anblick, daß mit ihnen nicht zu spaßen ist. Im Gefechtseifer, besonders bei riesigen Explosionen, kommt es bisweilen zu Slow-Downs, ansonsten ist der Spielverlauf aber flüssig und schnell. Die in Echtzeit gehaltenen Zwischensequenzen der Missionen, beispielsweise das Öffnen der Warptore oder riesige feindliche Flotten, weisen gelegentliche Ruckler auf, die aber ebenfalls zu verschmerzen sind. Der Spielfluß wird nicht beeinträchtigt und die Schlachten sind schnell, packend und schweißtreibend und darauf kommt es an!!

Soundeffekte

Hier komme ich zu einem gewissen Problem des Spiels: Extrem wichtig, um nicht zu sagen elementar zum Fortschreiten im Spiel, sind die Funksprüche, da mittels dieser Befehle übermittelt werden, Taktiken besprochen und Missionsziele geändert werden. Allerdings ist das gesamte Spiel komplett in Englisch, so auch die Funksprüche. Ein sehr gutes Englisch ist nötig, um die oftmals - gerade im Schlachtenlärm untergehenden - Funksprüche und Dialoge zu verstehen. Zwar ist es sehr schön, daß Italiener, Japaner und Amerikaner jeweils mit starkem Akzent sprechen, wer sich mit dem Sprachverständnis jedoch schwertut, der wird einige Tode aufgrund seines Nicht-Verstehens erleiden oder nach dem zehnten Fehlversuch entnervt fragen, was er jetzt schon wieder falsch gemacht hat. Wer der englischen Sprache jedoch ausreichend mächtig ist, der wird die sehr lebendig gemachten und ausgezeichnet gesprochenen Texte zu schätzen wissen.

Ich bin zum Beispiel sehr froh darüber, daß uns die deutsche Synchronisation erspart geblieben ist; die PC-Version des Spiels ist komplett deutsch synchronisiert und zwar so grottenschlecht und oftmals peinlich, daß das Spiel allein dafür seitens der einschlägigen PC-Magazine Punktabzug bekommen hat. Das hat es nicht verdient, denn es ist sehr atmosphärisch und die Sprachausgabe ist extrem authentisch und realistisch. Auch wenn man seine Staffelkollegen niemals anders als über Funk und die kleinen eingeblendeten Cockpit-Ansichten zu sehen bekommt, kommen allein dadurch ihre unterschiedlichen Charaktere und Temperamente schon sehr gut zur Geltung und man hat das Gefühl, als kennt man seine Staffelkollegen seit Ewigkeiten.

Musik Was mir ganz besonders an diesem Spiel gefällt, ist die perfekte Musikuntermalung. Daß für Starlancer der Soundtrack eigens mit einem Orchester eingespielt wurde, hört man. Die Missionen zeichnen sich durchweg durch dynamische, d.h. der Handlung angepaßte klassisch-orchestrale, sehr düstere Musik aus, die hervorragend paßt und für Atmosphäre sorgt. Wiederkehrende Leitmotive wie z.B. die pathetische Heimkehrmelodie nach erfolgreichem Abschluß einer Mission, wenn man sich im Landeanflug auf sein Basisschiff befindet oder auch die tragische Melodie nach einem gescheiterten Job oder bei schicksalsträchtigen Ereignissen wie dem Tod eines Kameraden, sorgen für zusätzlichen Wiedererkennungswert. Der Soundtrack gehört für mich zu einem der Highlights des Spiels, ja, sogar zu einem der besten Soundtracks videospielübergreifend. Hier merkt man, daß sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat. Filmreif!
Steuerung

Die Steuerung der Kampfjäger ist extrem komplex, aber genial gelöst. Das Pad ist umfangreich belegt und das Anwählen der diversen Funktionen erfolgt über eine Art Menüsystem. Als ich das Spiel zum ersten Mal sah, überkam mich eine große Skepsis, wie man mit einer derartigen Steuerung in schnellen, aggressiven und heftigen Kämpfen reagieren sollte. Zum Glück gibt es die Trainingsoption, die es erlaubt, Flug und Kampf fernab der Handlung zu trainieren - und diese ist auch dringend notwendig!

Eine Tastatur kann zwar ebenfalls benutzt werden, allerdings nicht zum Spielen, sondern zum Chatten während des Online-Mehrspielermodus. Die Steuerung des Schiffs erfolgt ausschließlich mit dem Pad.

Die Steuerung sowie die Schubregelung erfolgt normal per Tastendruck, ebenso das Feuern der Bordkanone(n) und Raketen. Auch die Geschwindigkeitsanpassung an den Feind im Fadenkreuz, die ein relatives Halten der Position zum feindlichen Raumschiff ermöglicht, wird über gleichzeitiges Drücken von L und R aktiviert. Nachbrenner und Umkehrschub werden durch doppelten Tastendruck aktiviert. Das Wechseln der unterschiedlichen Raketentypen und das Abfeuern von Täuschkörpern, die die feindliche Raketen ablenken sollen, erfolgt über das Steuerkreuz. Dieses sind die einfachen Kommandos.

Alle anderen Zusatzfunktionen wie z.B. das Zielmenü (Auswahl des nächsten Ziels und Information darüber, welche Schiffe sich wo befinden), Rollen, Seitwärtsschub (Strafing), verschiedene Kamerawinkel, das automatisches Vorhaltesystem (vereinfacht das Zielen mit der Bordkanone), das Bitten um Unterstützung oder Hilfe bei ihren Staffelkameraden ("attack my target" und "help me out"), das Wählen der Waffenkonfiguration, Spezialschilde, Tarnkappen werden über Menüs abgerufen.

Zuerst wirkt die Funktionsvielfalt irritierend, aber nach relativ kurzer Zeit hat man die Tastenkombinationen, die zum Aufrufen der verschiedenen Funktionen nötig sind, so verinnerlicht, daß man in der Lage ist, sie auch während hektischer Schlachten und in höchster Bedrängnis zu drücken. Hat man die Steuerung im Griff, stellt man fest, daß sie hervorragend ist. Das Schiff spricht sehr gut an, ist sehr gut manövrierbar und verfügt über eine Vielzahl von taktischen Möglichkeiten.

KI Die Gegner sind bösartig, tödlich und ausgezeichnete Piloten...
Zensur Das Spiel ist komplett ungeschnitten.
Multiplayer Auf Dreamcast nach Abschaltung der Server nicht mehr möglich; auf dem PC natürlich vorhanden, aber vermutlich heutzutage nicht mehr allzu stark frequentiert. Leider kein Offline-Multiplayer.
Langzeitmotivation Aufgrund der sehr packenden Atmosphäre habe ich dieses Spiel mehrfach durchgespielt; auch ändert sich die Story geringfügig, abhängig von den eigenen Erfolgen und dem Verlauf der Mission. Das ist allerdings natürlich persönliche Geschmackssache; eine ausdrückliche Langzeitmotivation, z.B. in Form von freischaltbaren Features, Bonusmissionen, Spielmodi o.ä. gibt es nicht.
Realismus Die unterschiedlichen Raumschiffe sind sehr durchdacht gestaltet und unterscheiden sich stark in Handling und Leistung; gleiches gilt für die Waffensysteme. Das Spiel hat dadurch einen hohen simulativen Charakter und kann definitiv nicht als Arcade-Shooter betrachtet werden (wo einfache Steuerung und "Fun" über Realismus gestellt wird).
Schwierigkeitsgrad

Der Schwierigkeitsgrad ist extrem hoch bzw. schwankt stark. Man kann nicht behaupten, daß er vom Beginn des Spiels bis zum Ende hin ansteigt; vielmehr gibt es leichtere und schwierigere (bis hin zu einigen verdammt vertrackten) Missionen zu bestreiten. Zudem variiert die Schwierigkeit einer Mission auch mit der eigenen Flug- und Kampftaktik; so haben wir die Erfahrung gemacht, daß mir einige Missionen auf Anhieb gelangen, während Andreas seit Stunden an ihnen verzweifelte oder ich an Missionen festhing und scheiterte, die er für völlig belanglos erachtete und im ersten Versuch bestanden hatte. Auch ist eine gute Wahl von Schiff und Waffen entscheidend für Erfolg oder Mißerfolg.

Das Spiel bietet drei Schwierigkeitsgrade (Easy, Medium, Hard) und auch, wenn man den Schwierigkeitsgrad "Easy" für gewöhnlich ablehnt, kann man in diesem Spiel durchaus eine Ausnahme machen, wenn man nicht gerade ein Hardcore-Shooter-Grognard ist. Wir hatten uns beim ersten Versuch gleich zu Beginn wagemutig auf "Medium" ins Geschehen gestürzt, um dann irgendwann kleinlaut auf "Easy" umzusteigen. Dafür ist das Spiel doch zu komplex und die Missionen oftmals sehr hektisch, die Gegner bösartig und die Ziele eng gesteckt. Beispielsweise gibt es Missionen, in denen große Schlachtschiffe vor einem Torpedoangriff geschützt werden müssen und ein Treffer das Aus der Mission bedeutet. Zehn Torpedos innerhalb weniger Sekunden abzufangen, ohne die Orientierung zu verlieren oder selbst getroffen zu werden (natürlich hängen einem gleichzeitig zahlreiche Feinde am Heck und feuern, as das Zeug hält), gehört noch zu den leichteren Übungen des Spiels...also, wer sich einen Gefallen tun will und erst einmal die spannende Handlung in Ruhe erleben möchte, sollte mit Easy anfangen. Es steht - nach Meisterung der Steuerung und nach dem Durchschauen der Missionen - ja nichts einem erneuten Durchspielen auf Medium und Hard im Weg... Für den Durchschnittszocker ist "Easy" jedenfalls richtige Wahl, denn diese Einstellung ist tatsächlich bereits sehr schwer.

Fazit

Starlancer ist ein Weltraumshooter der Extraklasse und gehört zu den Dreamcast-Titeln, die man sich unbedingt anschauen sollte und der in keiner guten Dreamcast-Sammlung fehlen sollte. Ich kann aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades, der englischen Sprache und der komplexen Steuerung nicht uneingeschränkt zum blinden Kauf raten, aber auf jeden Fall sollte man dieses Spiel angespielt haben (und ihm eine Chance geben, es dauert ein paar Stunden, bis man die Steuerung verinnerlicht hat). Danach wird man sich das Teil ohnehin zulegen :-)

Dieser Weltraum-Shooter zeichnet sich durch eine spannende und innovativ erzählte Handlung aus (auch wenn die Russen sehr klischeehaft böse ("execute all prisoners") und das Thema etwas überholt ist), die Inszenierung ist filmreif, die Rendersequenzen zeitlos und sehr gut gemacht. Der Soundtrack steht jenseits aller Kritik und gehört zu dem besten, was ich seit langem bei einem Videospiel gehört habe. Die Missionen sind fordernd, packend und man sitzt schweißgebadet in seinem Sessel und beginnt, die Koalition zu hassen. Auch beschränken sich die Missionen nicht nur auf simples "Hit and Run", sondern decken ein weites Einsatzgebiet ab.

Die Spieltiefe ist hoch, zudem taucht man sehr in die Handlung ein, da man stark als Person integriert wird. Problematisch ist die fehlende
Synchronisation - wer mit dem Englischen, vor allem auch dem Amerikanischen - Schwierigkeiten hat, wird eventuell Probleme im Verstehen der Missionsziele haben. Auch wird ihm ein Teil der Handlung verschlossen bleiben.

Starlancer gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsspielen auf Dreamcast, aufgrund der vertrackten Missionen hat man lange damit zu tun und kann es nicht nach wenigen Stunden weglegen; an diesem Spiel hat man monatelang Freude, wenn einen nicht sogar die Motivation packt, es einmal auf "hard" zu versuchen - dann kann es zur Lebensaufgabe werden.... auch im Jahr 2006 gehört dieses Spiel noch nicht zum alten Eisen, sondern sieht immer noch gut aus und weiß nach wie vor zu begeistern!

Hinweis: Eine kürzere Version dieser Review habe ich 2001 auch auf www.ciao.de veröffentlicht.


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