AAR

B17
Game: B-17 Queen of the Skies
HFC Report # B17-02
 
Scenario: Mission 2, Abbeville
Game Type: Solitaire
Player #1: Andreas Ludwig (HFC), AREA ID#: AL008
Reporter: Andreas Ludwig (HFC)
AREA rated: Yes

Mission 2
Abbeville
10.12.1942


Wir sind vor 2 Stunden von unserer 2. Mission zurückgekommen und bevor ich den offiziellen Bericht verfasse, bringe ich mein persönliches Logbuch auf den neuesten Stand.

Es ging relativ spät los, gegen mittag und wieder rüber nach Frankreich, Ziel: Abbeville, erneut ein Airfield.
Diesmal war es nur eine Squadron, die rausging unter Geleitschutz wie gestern, man wollte an diesem Tag mehrere Raids verteilt fliegen, um die Abfangjäger der Deutschen maximal zu splitten.

Wir hatten relativ gutes Wetter als wir starteten und als London unter uns vorbeizog meinte Andrew "Das wird - hoffentlich - ein vertrautes Bild für uns werden", wobei er das formulierte, was jeder dachte. Solange wir es immer zurück schaffen, ist's ok...

Wir ließen die englische Küste hinter uns, gingen rauf auf 20.000 Fuß und formierten uns zum üblichen "V", die Geleitschützer direkt hinter uns. Wir konnten beim Aufstieg einige englische Zerstörer auf Patrouille sehen, da es gestern abend wohl noch einige kleine Zwischenfälle mit versprengten deutschen Kanonenbooten gab. Habe aber nichts genaues mitbekommen, schien nicht so wild zu sein, was größeres macht ja immer gleich die Runde.

Alle Systeme arbeiteten einwandfrei, ich erkundigte mich noch bei Daniel, was mit den Kabeln im Radio Room sei, aber er bestätigte, daß Wolf alles hingedeichselt habe. Ich brauchte mich nicht umzudrehen, um sein Grinsen zu sehen....
Die Sonne stand schon etwas tiefer und ihr Licht spiegelte sich auf den Tragflächen des Leadbombers weit vor uns, es hätte ein reiner Ausflug sein können, aber die Sache gestern hatte unsere Sinne geschärft. Die Tatsache, daß die deutschen Jäger so überraschend aufgetaucht sind, führte dazu, daß wir alle immer wieder Blicke aus dem Fenster warfen...aber alles blieb ruhig.
Nach einer Weile gab Andrew die neuen Koordinaten durch, abdrehen etwa 30 Grad auf 1.30h und halten. Alles lief ohne Probleme, bis auf einmal ein Bomber aus der Staffel meldete "Flackernde Anzeige für Treibstofftank Port Wing, macht's wohl nicht mehr lange. Out", was aber noch kein Grund zur Sorge war. Ich war nur wieder mal froh, daß wir ein frisches Baby hatten, bis auf die Sache mit der Fensterdichtung läuft alles rund und das ist jetzt auch behoben.

Einige Zeit drauf konnte man bereits die Umrisse der sich abzeichnenden Küste auf dem glitzernden Wasser ausmachen, allerdings schlug das Wetter über dem Kanal um und es zog sich recht schnell zu. Einerseits gut für uns, wegen der Abwehr, aber nicht so gut für Red, der die Bomben auf den Punkt bringen muß. Ich hörte ihn nicht, konnte mir sein Grummeln aber gut vorstellen, als er aus seiner Glaskuppel schaute. Dann kam die Order unseres Staffelkommandanten "Alle runter auf 16000 Fuß, die Sicht wird zu schlecht", was auch zu leichter Erwärmung führte. Zwar funktionieren die beheizten Overalls gut, aber das Metall ist schneidend kalt in 20.000 Fuß, Daniels Raum ist ganz beheizt wegen der Anlagen, aber das Problem ist, wenn die Heizung ausfällt. Na ja, es lief ja alles wie geplant und ich habe ja versprochen nicht mehr zu unken...
Die Geleitschützer passten sich dem Sinkflug an, blieben aber etwas oberhalb und alle von der Crew checkten noch mal die Systeme, bevor es zu unruhig werden würde.

Dann kam die erste ernste Meldung über Funk "Abfangjäger gesichtet! Aufpassen Leute, es geht los!" Ich überlegte noch, wer von den anderen B 17 die Meldung ausgegeben hatte, um die Richtung der Gefahr einschätzen zu können, da hörte ich schon Wolf hinter mir "Heilige Scheiße! Die wollen es aber heute wohl wissen: 5 FW 190 - 3 kommen von oben: auf 9.00, auf 1.30 und auf 3.00h...Mist auf 3.00h kommt noch einer, gleiche Höhe wie wir, kommt schnell näher...und...Herrgott...noch einer direkt aufsteigend! Das gibt Arbeit für Dich Homer!" Denny zeigte aus dem Fenster und meldete "Auf 12.00h noch zwei Fogger, einer frontal, der andere von oberhalb!"

Ich packte das Steuer fester und hoffte auf unseren Geleitschutz, der ja gestern unseren Arsch gerettet hatte...Wir verringerten den Abstand der Bomber wie gehabt um mögliche Durchbruchchancen für die Deutschen zu minimieren, eine solche Staffel funktioniert quasi wie eine fliegende Wagenburg, wer ausschert, hat verloren. "Höhe beibehalten, gebt denen bloß keine günstigen Winkel, Leute, falls welche durchkommen!" kam die Order unseres Staffelführers. Es war wie auf Knopfdruck...um uns herum brach die Hölle los, etwa 20 Maschinen tanzten wie wild um unsere Formation und manch einer kam uns verdammt nahe, während jeder aus vollen Rohren feuerte...Homer brüllte "Hey, die lassen mir keinen keinen übrig! Auf 3.00h alles clear, folks! Was machen die anderen?" Ich sah gerade noch aus meinem Fenster eine Fogge- Wulf abschmieren, allerdings schoß der Pilot seinen Gegner ebenfalls ab und schaffte es auch noch im Abschmieren eine weitere Spitfire zu durchlöchern, er feuerte selbst im Sturzflug manisch weiter, bis ich ihn nicht mehr sah...was ein Irrsinn....aber ich kam nicht mehr dazu über Sinn und Unsinn des ganzen nachzudenken, weil mich ein Aufschrei rumfahren ließ "Achtung!" Was macht der denn da???" schrie Denny und ich sah, wie die Maschine die frontal auf uns zukam getroffen wurde, aber der Pilot zog die FW steil nach oben und ließ sie dann genau auf unsere Staffel orientiert abschmieren..."Der will uns rammen...verflucht!" schätzte unser Navigator die Lage richtig ein, aber dann sahen wir erleichtert, das die Entfernung doch etwas zu groß war, die Maschine fing Feuer und kippte aus dem Kurs und explodierte weit unter uns, mußte die Tanks erwischt haben..
Mir stand der Schweiß im Gesicht und jetzt wurde mir bewußt, wie stur ich den Kurs hielt, mehr unbewußt, aber glücklicherweise eben genau das richtige Verhalten. Wenn wir als mittlerer Bomber ausbrechen würden, würde das die gesamte Formation auseinanderhauen...

Die äußeren B 17 feuerten aus allen Rohren das berühmte area fire...man trifft in der Regel nichts, aber zwingt unerfahrenere Piloten zum Abdrehen. "Duke" ist ein strikter Gegner dieser Taktik, denn es hält Asse nicht auf und verbrennt einem die Munition, hier schien es aber zu funktionieren, die Jäger drehten erstmal ab. Zwei FW's wurden sogar beim Abdrehen doch noch getroffen und drehten um, auf die französische Küste zu...Plötzlich erschütterte schweres MG Feuer die Angeldust und als ich mich fragend umschaute deutete Denny nach vorne...

Eine FW 190, die sich aus großer Höhe näherte, schien dem tobenden Chaos um uns herum zum Trotz durchzukommen! Wolfgang, der den Top Turret bemannte, schoß mehr oder weniger gleichzeitig mit Red Wegener, der die Nose Guns bediente - für alle anderen gab es keinen Schußwinkel - auf diesen Flieger, der immer schneller zu werden schien. Er hielt voll auf unsere Position zu, hatte uns wohl rausgepickt und drehte zweimal eine Rolle und schaffte es tatsächlich durch den Kugelhagel, der ihm entgegenschlug unbeschadet durchzufliegen...der Schweiß rann mir übers Gesicht, brannte in den Augen und ich sah die feindliche Maschine wie durch einen Schlierenfilm...ich war mir nicht sicher, will er nur nahe genug ran, um zu schießen, oder kracht er in uns rein..."Er kommt doch viel zu nah, ist der denn verrückt?!" rief Denny, als der Pilot schon auf uns zu feuern begann...man konnte das Mündungsfeuer seiner Doppel MG's sehen...er war so verdammt nah...als er auf einmal die Nase wieder hochzog, leicht abkippte und seitlich an uns vorbeischoß, aus meinem Blickfeld verschwand. Eddie feuerte noch mit seinen Tail Guns, aber er verfehlte ihn ebenfalls. "Meldung verdammt!" brüllte ich durch den Motorenlärm, aber weniger um zu wissen was los war, denn einen Treffer hätte ich gespürt, sondern um die Anspannung rauszulassen. "Nope, alles dicht, Cap!" kam es von Wolf, dessen Stimme ich entnahm, daß er die Situation genauso eingeschätzt hatte, wie wir, Red meinte "Ist noch mal glattgegangen, aber der Kerl hatte Nerven verflucht!" und alle anderen bestätigten, daß wir keinen Treffer kassiert hatten. "Das hätte ins Auge gehen können" rief der Pilot, der die Fortress direkt hinter uns steuerte ins Funkgerät. Sein Baby hatte wohl was abbekommen, aber nichts schwerwiegendes, sagte er mir nach der Landung erst.
Unser Navigator holte uns alle wieder in die Realität zurück "Zielgebiet lokalisiert, die Messungen stimmen hoffentlich, Red. Das Wetter wird immer schlechter, macht die Sache nicht einfacher", was Wegener mit Fluchen quittierte. Das Wetter war in der Tat nicht sonderlich günstig für unsere Aufgabe und es fing auch noch an zu regnen...als der Flakbeschuß einsetzte.

Denny sagte nur "Ist aber kein Vergleich zu dem Feuerwerk gestern, was Cap?" und ich konnte ihm recht geben. Es gab nur geringen Beschuß und auch recht weit gestreut, keine der Explosionen kam unserer Angeldust nahe genug um wirklich gefährlich zu sein. Andrew meinte "Die sparen wohl Muni, weil sie bei dem Wetter uns ebenso schlecht sehen, wie wir sie!" und lachte. Mir war's ehrlich gesagt egal, Hauptsache die Sache ging glimpflich ab. Wir kamen auf jeden Fall gut durch, was auch für alle anderen B's galt und schon meldete Red "Alles klar, die Zielpeilung steht...Und ab!!!", hinten wurden die Bombenschächte entriegelt und unsere Ladung ging runter...

Jeder drückte wohl in diesem Augenblick die Daumen, das gestrige Desaster noch gut vor Augen. Würden sie diesmal treffen, würde sich die Gefahr diesmal wenigstens gelohnt haben?
Red's Ausruf schien jedoch nichts gutes zu verheißen "Mist, die driften zu weit ab! Das geht daneben, verflucht!" Denny guckte mich an...
"Wie viele haben wir drin Red? Jetzt sag doch was, kann das hier hinten nicht einschätzen!" brüllte Eddie. "Gosh, vielleicht 5 %, keine Ahnung - Fuck! Dieses Mistwetter!"
"Hey Red", hörte ich Wolf, "vielleicht sollten wir beim nächste Mal die Teile langsam an Fäden runterlassen, um..." aber seine höhnische Bemerkung ging unter in Wegeners Flüchen.
"Hört auf, egal wieviel drin sind, wir müssen hier vor allem wieder raus!"
Wie zur Bestätigung sah ich auf 10.30h eine FW 190 aus den Wolken auf uns zuhalten und John meldete eine ME 110 in geradem Aufstieg auf unsere Position..."Erwischt, jawoll!" kam es kurz drauf von Eddie, während ich einen amerikanischen Jäger beobachten konnte, der die Fogger auf meiner Seite vom Himmel holte, die Kugeln zerfetzten die Pilotenkanzel...der Flammenschweif, den die Maschine hinter sich herzog erhellte gespenstisch die Wolken, die den Regen irgendwie bösartig gegen die Frontscheibe auszuspeien schienen...Glück gehabt... wir wenigstens...
Das schien der letzte Zwischenfall zu sein und wir stiegen in Formation wieder höher, wollten die Schlechtwetterwolken hinter uns lassen, die uns so übel die Tour vermasselt hatten. Aber irgendwie sollte heute der Rückflug dem ruhigen Anflug Hohn sprechen, Eddie meldete erneut eine feindliche Maschine, wieder eine FW, im Vertical Climb, gefürchtet, weil die Fortress von unten am verwundbarsten ist, dort hält quasi nur der Ball Gunner die Stellung und Duke machte sich schon klar, als Entwarnung kam...eine Spit vereitelte den Angriff und entkam selbst glücklicherweise dem gegnerischen Feuer...

Wir gingen entgültig auf 20.000 Fuß und ließen die schwer umkämpfte Zone hinter uns...
Jeder war froh, als nach Ewigkeiten die englische Küste in Sicht kam und die Tatsache, daß das Wetter aufklarte - die Schlechtwetterfront blieb wie magisch über dem Kanal hängen - trug ein übriges zu unserer besser werdenden Stimmung bei, wir flogen in die tief stehende späte Nachmittagssonne, ideales Landewetter...kurz drauf gingen wir runter und 40000 pound sowie 10 erschöpfte Männer erreichten wohlbehalten den festen englischen Boden...

Die Angeldust hat heute ihre zweite Mission hinter sich gebracht und auch wenn die Trefferquote zu wünschen übrig ließ, hat sich unser "Engel" gut geschlagen. Ich beginne mich an diese Maschine zu gewöhnen und sie sich hoffentlich an mich.
Abends im Mannschaftsheim stopfte sich Eddie in Ruhe seine Pfeife, nahm sein erstes Pint Ale und klopfte Red auf die Schulter, der über seinem Scotch brütete und meinte paffend "Mann, wir müssen 25 Raids hinter uns bringen, also warum die Krauts schon gleich zu Anfang drauf stoßen, wie gut wir wirklich sind?" Red schaute ihn an, setzte sein Glas ab und ich dachte schon, das gibt Ärger...aber als beide anfingen laut zu lachen, wußte ich - mein Hauptziel habe ich für heute wieder erreicht: meine Jungs sind heil wieder unten, das alleine zählt!

A. Ludwig
Captain der "Angeldust"


Fortsetzung folgt in AAR #3


(c) 2004 by Andreas Ludwig, HFC

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