AAR

SL Game: Squad Leader
HFC Report # SQL 05
 
Scenario: taktisches Trainings-Szenario Beta 0 (TTTB0)
Game Type: FTF
Player #1 (Soviets): Andreas Ludwig (HFC), AREA ID# AL008
Player #2 (Germany): Denny Koch (HFC), AREA ID# DK003
Reporter: Andreas Ludwig(HFC)
Game End: 20. September 2002
AREA rated: Yes

Kriegstagebuch: Eastern Front

Eintrag : Truppführer Ludvigowitsch


Gestern gab es erneut einen Angriff der Deutschen auf das von uns bewachte Dorf. Eine ganze Weile war Ruhe und wir dachten schon, daß die Deutschen den Versuch endlich aufgegeben hätten, aber ich war mir nicht ganz sicher. Auf jeden Fall erhielt ich den Befehl, auf jeden Fall die Stellung zu halten, bis andere Order ergehen würde, da dieses Dorf eine große strategische Bedeutung habe.

Es war gegen Nachmittag, ich war in meinem rückwärtigen Kommandostand und hatte Major Kirkov das Kommando übertragen, weil ich noch einige Berichte nachbearbeiten mußte, als mich Schüsse plötzlich aufschreckten...

Ein deutscher Stoßtrupp hatte sich von Süden und Südwesten dem Dorf ungesehen nähern können und eröffnete das Feuer auf unser Versorgungshaus, welches hinter einer Steinmauer lag. Die Männer waren überrascht worden, hatten sich wohl nicht sonderlich vorgesehen und einige der Männer waren nach dem Beschuß nicht mehr einsatzbereit. Man konnte erkennen, daß eine deutsche MG-Stellung mit LMGs in einem kleinen Waldgebiet westlich vom Dorf eingerichtet worden war und wir staunten nicht schlecht über die Dreistigkeit der Deutschen, denn diese verlegten nun ganz offen sichtbar diese MG-Stellung, die auf dem Hügel lag, der westlich vom Dorf dieses begrenzt, in offenes Gelände. Zwar gab es unterhalb dieses Hügelbereichs eine Mauer, aber diese bot natürlich keinerlei Schutz auf dem Hügel selbst, wie die Deutschen wenig später erfahren sollten...

Folgerichtig wurde von uns sofort das Feuer eröffnet und unter schwerem Beschuß einerseits von Major Kirkov, der dieser MG-Stellung am nächsten war, und den Männern, die im südlichsten Steinhaus Stellung bezogen hatten, erlitten die Deutschen ihre ersten schweren Verluste: soweit wir das erkennen konnten, wurden einige Angreifer tödlich getroffen.

Meine Aufklärer meldeten mir, daß der deutsche Kommandostand aus einem südlich gelegenen Holzhaus, zurück in ein kleines Waldgebiet verlegt wurde, während ein anderer deutscher Stoßtrupp, ebenfalls mit einem leichten MG bewaffnet, eine Überquerung der Hauptstraße versuchte. Ich war sehr überrascht, da die letzten Versuche der Deutschen, unser Dorf einzunehmen, weitaus zaghafter waren, aber leider verschanzten sich die Deutschen in einem für sie günstigen toten Winkel, so daß wir nicht direkt das Feuer eröffnen konnten. Ein weiterer MG-Stand wurde in ein südlich gelegenes Holzhaus verlegt und wir eröffneten erneut das Feuer, richteten allerdings keinen Schaden an. Meine Männer feuerten trotzdem weiter, um vielleicht durch Querschläger irgendeinen Feind erwischen zu können, aber das kleine Scharmützel blieb soweit für die Deutschen ohne Folgen. Erneut wurden vom offen auf dem Hügel stehenden MG-Stand mehrere Salven auf unser Vorratshaus abgegeben, aber obwohl die Garben das Holzhaus ziemlich beharkten, blieben unsere Leute wie gewohnt standhaft. Als wir nach kurzer Feuerpause nachschauten, sahen wir, wie die Deutschen ihre verletzten Kameraden in das Wäldchen zurückbrachten, aus dem sie vorher so herostratenhaft herausgekommen waren. Von dieser Seite waren wir erst mal sicher....

Ich hörte, wie die im Hause zusammenkauernden Weichlinge von einem Offizier angeschrien wurden und in der Tat half das und sie nahmen ihre Waffen wieder auf, als plötzlich Lärm aufkam, Stimmen schrien durcheinander und als ich schaute, was der Grund war, sah ich noch, wie der deutsche Stoßtrupp aus seinem toten Winkel auf der Straße Kapital schlagen wollte und in das südliche Steinhaus eingebrochen war. Es schien so, daß die Deutschen diesmal wild entschlossen waren, ihre vergangenen Schlappen, die sie sich hier im Dorf - was sie mittlerweile scherzhaft Fort Knox zu nennen pflegten, wie ich erfahren habe - ohne Rücksicht auf eigene Verluste wettzumachen. Die gerade wieder zu Sinnen gekommenen Soldaten aus dem Vorratshaus nahmen die Eindringlinge durch ein günstig gelegenes Fenster unter Feuer und man sah wie ein Teil der Deutschen zu Boden ging - ob nur in Deckung oder getroffen, konnte zu der Zeit noch keiner sagen. Kurz darauf bekam Major Kirkov - übrigens einer meiner besten Leute, wie er wieder unter Beweis stellte - aus seinem Haus ebenfalls einen guten Schußwinkel auf die sich bewegenden Deutschen im vorderen Haupthaus und ließ sofort das Feuer erneut eröffnen...wir sahen einen guten Teil der Nazis tot zu Boden- und die übrigen in Deckung gehen...danach war es eine Weile still - kein Gegenfeuer...nichts...

Ich sah die Chance, die diese plötzliche Verwirrung, die ich beim Gegner annahm, bot und schickte einige Mann vom nördlichen Steinhaus, welches im Moment nicht in Gefahr war, um Kirkov zu unterstützen, da dieses Haus seiner Position wegen schwer zu verteidigen war.
Die Männer erschienen mir nicht unbedingt in bester geistiger Verfassung zu sein und so sah ich mich gezwungen, ihnen zu folgen, um sie anzutreiben. Ich war fest entschlossen, auch dieses Mal den Versuch der Deutschen blutig abzuschlagen. In dem Moment, als ich noch ganz in meinen Gedanken war, ertönten wieder Gefechtsgeräusche und ich konnte Mündungsfeuer aus einem Wald südwestlich vom Versorgungshaus ausmachen und erneut wurde letzteres beschossen, wobei dieses Mal das Feuer weitaus besser lag und ich Kirkov gestikulieren sah, um die Männer am Fenster zu halten, damit sie das Feuer erwidern, denn vollkommen richtig sah er die Gefahr, daß der Feind sich hier ebenfalls in den toten Winkel begeben könnte, um ins Haus zu gelangen. In einem vorgelagerten Gebäude in der Nähe hatten sich offenbar ebenfalls Deutsche verschanzt, weil von dort ebenfalls gefeuert wurde, aber die Salven richteten keinen Schaden an, weil noch alles in Deckung lag, was aber wohl auch der Sinn der ganzen Aktion war, um einen Vorstoß zu ermöglichen. Von meiner Position aus konnte ich sehen, daß meine Männer den Einbruchsversuch in das vordere Haupthaus abgeschlagen hatten, da die Deutschen sich verletzt eiligst wieder über die Straße zurückzogen und in dem gegenüberliegenden Gebäude in Sicherheit brachten. Den ersten Überraschungsschlag hatten wir also erfolgreich abwehren können...

Mir wurde die erfreuliche Meldung gemacht, daß die Stellung gehalten worden war und wir nun im Besitz des deutschen MGs waren, welches die sich hastig zurückziehenden Deutschen im Gebäude gelassen hatten, um ihre verletzten Kameraden schneller aus der Gefahrenzone zu bringen. Wir hatten schon eine Weile keinen Waffennachschub mehr bekommen und waren auf unsere Gewehre angewiesen, so daß ich entschlossen war, den Deutschen klarzumachen, daß es keine gute Idee war, dieses LMG uns zu überlassen...

Allerdings wurden alle Gedanken wieder jäh durch aufkommendes MG Feuer unterbrochen und obwohl ich zuerst dachte, meine Männer hätten die Chance des neuen MGs sogleich ergriffen, wurde schnell deutlich, daß die deutsche MG-Stellung, die genau im Haus vor ihrer Stellung lag, das Feuer eröffnet hatte, da die Bewegung unserer Soldaten ganz offensichtlich nicht unbemerkt geblieben war. Kirkov verdoppelte seine Anschrei- und Motivationsversuche, aber einige Männer waren emotional am Ende und zu nichts mehr zu gebrauchen. Kirkov fuchtelte wild mit seinem Gewehr herum und sofort zog seine Stellung erneutes Feuer auf sich und ich hatte schon Angst, daß seine Unvorsichtigkeit ihn das Leben gekostet hätte, aber er gab mir kurz darauf ein beruhigendes Handzeichen und ich atmete auf. Allerdings war mir klar, daß er langsam in ernste Bedrängnis kam, wenn sich seine Leute nicht bald zusammenreißen würden. Mir wurde mittlerweile von einem jungen Soldaten aufgeregt Meldung gemacht: die MG-Stellung im uns gegenüberliegenden Holzhaus wurde wohl unter der Leitung eines deutschen Offiziers verlegt. Zeitgleich sah ich einen anderen Offizier aus dem Wald rennen, der sich auf dem Hügel befindet und das westliche Gebäude betreten, aus welchem eben auf uns gefeuert wurde. Das war also eindeutig sein Feuerschutz gewesen. Mir wurde bewußt, daß dieses mal weitaus mehr Druck gemacht werden sollte, wenn dieser Stoßtrupp von so vielen Offizieren angeleitet wurde, als ich wie zur Bestätigung einen weiteren - ebenfalls von einem Offizier angeleiteten - Trupp aus dem westlichen Wäldchen rennen sah, der versuchte so schnell er konnte, hinter den Hügel zu gelangen. Unsere neue MG-Stellung nahm den Trupp sogleich aufs Korn, aber verfehlte ihn, so daß er hinter dem Hügel aus unserem Sichtbereich verschwand. Ich hörte Gebrüll, was sich als ein sehr aufgebrachter Major Kirkov entpuppte, der dieses Manöver der Deutschen wohl ebenfalls mitbekommen hatte und dieses Gebrüll hatte offensichtlich den erwünschten Effekt. Seine Männer legten wieder an und es entspann sich ein heißes Feuergefecht mit dem gerade von dem deutschen Offizier verstärkten Holzhaus - unsere Männer gaben Dauerfeuer und nachdem der Lärm verstummt war, gab mir Kirkov Zeichen, was darauf schließen ließ, daß in dem Haus nun keiner mehr lebte, was mich erst einmal aufatmen ließ. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Feinde sich nun tatsächlich um das Dorf herum aufhielten, so daß jeder feindliche Soldat weniger unsere Chancen eindeutig verbesserte.
Zeitgleich gab es wieder ein Scharmützel zwischen den vorderen Häusern, wo sich unsere MG-Stellung befand, aber es blieb ohne Verluste auf beiden Seiten.

Ich gab darauf den Männern am MG den Befehl, auf das Holzgebäude zu feuern, in das sich die Verletzten zurückgezogen hatten, die den Einbruchsversuch in das Steinhaus versucht hatten, da ich einen möglichst demoralisierenden Effekt erzielen wollte, aber es war nicht zu erkennen, daß dies irgendwas bewirkt hätte. Ich hoffte einfach darauf, daß sich der Beschuß lähmend auf die Deutschen auswirken würde, weil ich vermeiden wollte, daß aus beiden Häusern, die recht nahe zusammen liegen, ein Kreuzfeuer auf unsere MG-Stellung eröffnet wurde. Die Feuerstöße gingen hin und her und ich konnte in einer Feuerpause feindliches Stimmengewirr hören, welches darauf schließen ließ, daß es den Nazis in dem beschossenen Haus langsam ungemütlich wurde. Plötzlich sah ich am Fenster des besagten Hauses mehrere Deutsche, die ihre Gewehre anlegten und die östliche Straße beschossen und als ich mich umdrehte konnte ich erkennen, daß einige junge Soldaten von uns ihre hintere Stellung verlassen hatten, um über die Straße zu dem Gebäude zu gelangen, wo die deutsche MG-Stellung verlassen lag. Sie gingen wohl nicht davon aus, gesehen werden zu können, aber die Deutschen hatten sie gesehen und keiner überlebte, sie brachen noch auf der Straße zusammen, was meine Entschlossenheit dieses Dorf auf keinen Fall aufzugeben, verstärkte.


Ich gab meinen Männern zu verstehen, daß sie das MG ins Vorratshaus verlegen sollten, weil dort der Aktionsradius größer war. Der MG-Schütze eröffnete wieder das Feuer und man sah einige Deutsche hinter den Fenstern ihres Hauses zusammenbrechen und andere hastig Deckung suchen. Der MG-Schütze schwenkte sofort das MG nach rechts und erwischte im selben Augenblick noch einige Feinde im angrenzenden Haus, die nicht schnell genug reagierten, wobei auch der Offizier zumindest getroffen wurde. Dieses Schwenkfeuer behielt der MG Schütze bei und hatte damit die Kontrolle über seinen Abschnitt, wie ich befriedigt zur Kenntnis nahm. Dies würde die Verlegung in das andere Haus erleichtern.

Kirkov zog sich in meine Richtung zurück und deutete nach Norden, wo sich mittlerweile die Deutschen um den Hügel herum bewegt hatten und nun versuchten, von hinten an uns heranzukommen. Ich gab ihm grünes Licht und verlegte meine Stellung zurück in den Wald zu meinem Kommandostand. Ich wurde zwar beschossen, aber das war eher ein Feuerstoß ins Blaue hinein. Im Süden gingen die Feuergefechte weiter und die Deutschen legten ihre Stellungen aus den angrenzenden Häusern zusammen, da das Haus, welches unserem MG-Stand am nächsten lag, keinen genügenden Schutz mehr bot, während im Norden Kirkov mit seinen Männern mittlerweile das zurückliegende Steingebäude erreicht hatte, wo wir den Angriff befürchteten. Sein Sprint war ziemlich gewagt und er wurde auch beschossen, erwiderte aber mit seinem Trupp das Feuer im Laufen und gelangte so unverletzt ins Haus.

Dort angekommen verschanzte er sich gleich hinter den Fenstern und eröffnete das Feuer auf die von dort gut einsehbaren Deutschen, was zum Tode einiger Feinde und mehreren Verletzten führte, darunter auch der Offizier. Mir wurde Meldung gemacht, daß ein Trupp von uns einen Ausfallschritt auf die Straße gemacht hatte und so die deutsche MG-Stellung ins Kreuzfeuer genommen werden konnte. Auch dort hatte der Feind einige Verluste zu beklagen. Mittlerweile war es still geworden und man hörte keinerlei Schüsse mehr...

Nach etwa 20 Minuten erfuhr ich von unseren Aufklärern, daß wir den deutschen Angriff erneut siegreich abgeschlagen hatte und auf unserer Seite nur etwa 10 Männer gefallen waren. Das waren die jungen Soldaten, die die MG-Stellung über die offene Straße erobern wollten, wie ich mich erinnerte. Die Deutschen hatten schwerste Verluste erlitten und kaum einer hatte diesen "Hasty Assault" überlebt. Die wenigen Überlebenden zogen sich in die Wälder zurück und erneut hatte sich "Fort Knox" als harte Nuß erwiesen. Ich gab die Order für die Wachaufstellung raus und meine Männer konnten sich erholen - verdient hatten sie es sich.

Andreij Ludvigowitsch (HFC)


(c) 2003 by Andreas Ludwig, HFC

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